Wer nicht mehr gut riechen kann, hat ein höheres Sterberisiko. Der Verlust spiegelt vor allem neurodegenerative Erkrankungen wider.
Geruchserkennung im Test
Eine schwedische, bevölkerungsbasierte Längsschnitt-Kohortenstudie sollte die Hintergründe dieses Zusammenhangs näher erklären. Dazu prüften die Forscher die olfaktorischen Fähigkeiten von über 2500 Probanden zu 16 Gerüchen wie Zitrone und Kaffee. Daten zu Gesamtmortalität und Todesursachen entnahmen sie nationalen Registern. Demenzerkrankungen stuften sie mithilfe des Klassifikationssystems Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) ein.
Das Ergebnis: Pro falscher Antwort im Geruchstest stieg das Risiko für die Gesamtmortalität nach sechs Jahren um 6%, nach zwölf Jahren um 5%. Bei den als anosmisch eingestuften Teilnehmern (0 bis 6 richtige Geruchsproben) ergab sich in den zwei Follow-ups ein um fast 70% höheres relatives Mortalitätsrisiko als bei den „guten Nasen“.
Zusammenhang mit Demenz
Auswertungen zu den Todesursachen in Assoziation mit einem schlechten Geruchssinn ergaben das höchste Risiko für neurodegenerative Erkrankungen (Demenz), gefolgt von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Es gab keinen Zusammenhang zu Krebssterblichkeit oder anderen Todesursachen. Geschlechtsspezifische Unterschiede gab es nicht.
Doch es tauchten auch neue Fragen auf. Nach sechs Jahren waren 23% der Assoziationen zwischen Geruchssinn und Mortalität mit neu diagnostizierter Demenz verknüpft, nach zwölf Jahren waren es hingegen nur 6%. Eine Studienautorin vermutete, dass bei langjähriger und langsam fortschreitender Demenz die Erkrankung nicht mehr als Hauptfaktor für Mortalität fungiere, sondern eher andere Ursachen wie Frailty (pdf). Nach zwölf Jahren blieben nur Frailty und Mangelernährung als assoziative Faktoren bestehen, wie eine weitere Analyse der Daten zeigte.
Genetische Komponente
Weitere Hinweise gab die Analyse des APOE-Proteins. Menschen, die APOE–ε4-Allele aufweisen, haben generell ein erhöhtes Risiko für Morbus Alzheimer. Bei der Sechs-Jahres-Nachbeobachtung hatten Probanden mit dieser genetischen Variante eine um 12% höhere Mortalitätswahrscheinlichkeit für jede falsche Antwort beim Geruchstest als ε4-Nichtträger, die falsch antworteten. Dieser Risikounterschied war im Zwölf-Jahres-Follow-up jedoch nicht mehr vorhanden.
Parallele zum Geschmackssinn
Geruch und Geschmack sind eng miteinander verknüpft. Menschen mit beeinträchtigter Riechfunktion scheinen weniger und schlechter zu essen. So könnte hinter dem Zusammenhang zwischen Geschmacksstörungen und Mortalität auch ein Bezug zu einem eingeschränkten Riechvermögen stecken.
Die Studienautoren sehen in ihren Ergebnissen die Bestätigung dafür, dass fortschreitende Gebrechlichkeit und Neurodegeneration einen Einfluss auf die Assoziation zwischen Geruchssinn und Mortalität hat. Sie beschrieben olfaktorische Defizite als Marker für gesundheitliche Veränderungen, die mit einer erhöhten Mortalität verbunden sind – jedoch nicht als direkten Einflussfaktor.
Quellen
Hunt V. Sense of smell is a marker for mortality risk, with dementia and frailty as key mediators. JAMA 2025, published online May 09. doi:10.1001/jama.2025.7022 (Zugriff am 26.05.2025).
Ruane R, Lampert O, Larsson M, Vetrano DL, et al. Olfactory deficits and mortality in older adults. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2025, published online April 10. doi:10.1001/jamaoto.2025.0174 (Zugriff am 26.05.2025).
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