Präventionsmaßnahmen gegen postpartale Blutungen

Es gibt Möglichkeiten, einem größeren Blutverlust nach der Geburt vorzubeugen. Ansatzpunkte sind das Körpergewicht, Schwangerschaftsvorsorge und der Vitamin-D-Status.

Noch immer eine Gefahr

Postpartale Blutungen, also ein Blutverlust von mindestens 500 ml innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt, sind weltweit eine der häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit. Die offiziellen Zahlen für Deutschland sind zwar sehr niedrig, doch gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Je mehr über die Ursachen und Risikofaktoren bekannt ist, desto besser kann eine wirksame Prophylaxe und Behandlung erfolgen.

In einer systematischen Literaturrecherche und Metaanalyse zu 327 bevölkerungsbasierten Kohortenstudien sollte den Ursachen und Risikofaktoren für postpartale Blutungen auf den Grund gegangen werden. Die fünf häufigsten Ursachen für postpartale Blutungen waren hierbei Uterusatonie, Genitaltrakttrauma, retinierte Plazenta, abnormale Plazentation und Koagulopathie.

Relevante Faktoren

Als medizinische Risikofaktoren mit starker Assoziation zu postpartalen Blutungen stellten sich Anämie, Genitalverstümmelung, Leberzirrhose, Sepsis, suizidales Verhalten, Tuberkulose und venöse Thromboembolien heraus. Eine mittlere Assoziation betraf COVID-19-Infektionen, Gestationsdiabetes, Ehlers-Danlos-Syndrom und Von-Willebrand-Krankheit, Präeklampsie, Lebererkrankungen und Pankreatitis.

Auch Faktoren hinsichtlich der Schwangerschaft waren relevant, vor allem frühere postpartale Blutungen und Totgeburten, keine Schwangerschaftsvorsorge, Mehrlingsschwangerschaft, Placenta praevia und der Einsatz von assistierter Reproduktionstechnologie. Mit Blick auf die Geburt selbst hatten Kaiserschnitt, fetale Makrosomie mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4500 g und Schulterdystokie negativen Einfluss.

Ansatzpunkte zur Optimierung

Um der Uterusatonie als häufigste Ursache für postpartale Blutungen vorzubeugen, empfiehlt die WHO die Gabe prophylaktischer Uterotonika an alle gebärenden Frauen.

Von besonderem Interesse, weil modifizierbar beziehungsweise behandelbar, sind ein hoher BMI (insbesondere ab 30 kg/m²), Bluthochdruck, Vitamin-D-Mangel, Cannabis- und Opioidkonsum sowie die Inanspruchnahme von Schwangerschaftsvorsorgemaßnahmen. Ebenso ist eine gute medizinische Versorgung von Gestationsdiabetes, Anämie, Asthma und venösen Thromboembolien von Bedeutung.

Insgesamt können eine optimale ärztliche Betreuung sowie Lebensstil- und Ernährungsberatung die Lage der Schwangeren verbessern. Verhaltensänderungen und Kontrollen bergen das Potenzial, veränderbare Risikofaktoren einzudämmen.

Quelle

Yunas I, et al. Causes of and risk factors for postpartum haemorrhage: a systematic review and meta-analysis. The Lancet 2025, published April 3. DOI: 10.1016/S0140-6736(25)00448-9 (Zugriff am 24.04.2025).

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