„Verbotener Weichmacher in Kinderurin gefunden“, lautete die beunruhigende Schlagzeile eines Anfang April im Münchner Merkur veröffentlichten Artikels. Warum hier genauer hingeschaut werden sollte, erklären die Autoren der Unstatistik des Monats.
Verbotener Weichmacher nachgewiesen
Es ist zweifellos keine schöne Nachricht: Ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP) wurde in Untersuchungen des Umweltbundesamts (UBA) und des Landesamts für Natur-, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Urinproben von Kindern nachgewiesen. Und das, obwohl DnHexP in der EU mittlerweile weitgehend verboten ist. „Laut Experten vom Bundesumweltamt dürfte man den Stoff dementsprechend eigentlich nicht im Körper finden“, heißt es im Münchner Merkur. Von Konzentrationen des bedenklichen Stoffes fehlt im Artikel aber jegliche Spur. Ein gefundenes Fressen für die Redaktion der Unstatistik des Monats.
Irreführende Schlagzeilen
Bereits im Juni 2013 machte die Unstatistik des Monats auf die immer präziser werdenden Analysemethoden von Umweltgiften und damit einhergehende Schlagzeilen aufmerksam. Damals wurde der Nachweis von Glyphosat in Urinproben von Großstädtern diskutiert. Die Autoren der aktuellen Unstatistik äußern sich zu dieser Problematik folgendermaßen:
Früher war ein Milligramm pro Kilogramm (ppm) die Grenze des Messbaren. In den 1980er Jahren konnten Schadstoffkonzentrationen von 1:1 Milliarde, heute sogar von 1:1 Trillion aufgespürt werden – oft mithilfe modernster Methoden wie Chromatographie, Massenspektrometrie und Kernresonanz-Spektroskopie. Teilweise lassen sich sogar einzelne Moleküle nachweisen.
Und genau hier ist Vorsicht geboten, denn was Paracelsus schon vor 500 Jahren wusste: Allein die Existenz eines Schadstoffes erlaubt noch keine Aussagen über dessen Gefahrenpotenzial – entscheidend ist die Überschreitung eines gesundheitlich kritischen Werts. Diese Überschreitung sei beim aktuellen Beispiel des Weichmachers in Urinproben noch nicht gegeben. So wird letztlich auch im Beitrag der Münchner Merkur bezogen auf die aktuellste Auswertung der LANUV Entwarnung gegeben: „Die Belastungen liegen jedoch für über 99 Prozent der 250 untersuchten Kinder unterhalb der Schwelle für eine gesundheitliche Besorgnis.“
Unstatistik des Monats
Mit der Unstatistik des Monats hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer, die STAT-UP-Gründerin Katharina Schüller und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat jüngst publizierte Zahlen und deren Interpretationen.
Quelle
Unstatistik des Monats vom 30. April 2025. „Allein die Dosis macht das Gift“ – warum Schadstofffunde oft ungefährlich sind.
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