Gerade bei älteren Patienten gilt Paracetamol gegenüber nichtsteroidalen Antirheumatika als sichere Alternative. In einer Kohortenstudie konnte nun beobachtet werden, dass eine Paracetamol-Einnahme unter anderem mit einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen einhergeht.
Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?
Personen mit und ohne Paracetamol-Exposition wurden in Bezug auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse miteinander verglichen. Dazu verwendeten die Forschenden Daten von fast 2,8 Millionen Einwohnern Großbritanniens ab einem Alter von 65 Jahren. Als Exposition galt eine mindestens zweimalige Verschreibung von Paracetamol innerhalb von sechs Monaten.
In der Auswertung zeigte sich in der Tat ein erhöhtes Risiko aller untersuchten unerwünschten Ereignisse unter der Paracetamol-Einnahme.
Risikoerhöhung nach „Inverse probability of treatment weighting“-Schätzung:
- Gastrointestinal: Das Risiko für gastrointestinale Perforationen, Ulzera und Blutungen erhöhte sich um 24%, für unkomplizierte Magengeschwüre um 20% und für Blutungen im unteren Gastrointestinaltrakt um 36%.
- Kardiovaskulär: Das Risiko für Herzinsuffizienz erhöhte sich um 9% und für Hypertonie um 7%.
- Renal: Das Risiko für eine chronische Niereninsuffizienz erhöhte sich um 19%.
Ähnliche Ergebnisse ergaben sich bei den Propensity-Score-angepassten Analysen. Ebenso konnte beobachtet werden, dass sich das Risiko mit zunehmender Anzahl an Verschreibungen erhöht.
Sollte Paracetamol als Standard beibehalten werden?
Bisher galt Paracetamol verglichen zu nichtsteroidalen Antirheumatika hinsichtlich des Nebenwirkungsprofils als sicherer, insbesondere bei älteren Patienten. Die britische Gesundheitsbehörde NICE (National Institute for Health and Care Excellence) hat jedoch bereits 2022 ihre Empfehlungen für die Behandlung von Arthrose angepasst und rät von einer routinemäßigen Verschreibung von Paracetamol ab. Die nun veröffentlichten Studienergebnisse stützen die Überlegung, Paracetamol als Standard bei älteren Menschen zu reflektieren.
Die Autoren weisen ergänzend darauf hin, dass in randomisierten kontrollierten Studien (RCT) keine schwerwiegenden unerwünschten Effekte gefunden wurden. Das begründet sie damit, dass in RCT eher die kurzfristige Wirksamkeit untersucht wurde und jüngere, gesündere Teilnehmer eingeschlossen wurden.
Abschließend kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die durchgeführte Studie wichtige Sicherheitsdaten zu Paracetamol liefert und die standardmäßige Gabe bei älteren Personen mit chronischen Schmerzen überdacht werden muss.
Quellen
Kaur J, et al. Incidence of side effects associated with acetaminophen in aeople aged 65 years or more: A prospective cohort study using data from the clinical practice research datalink. Arthritis Care Res published online November 24, 2024.
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