Die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vielfältig, darunter Adipositas, Rauchen oder Stress. Neben Lebensstil und Vorerkrankungen sollte für die Risikoabschätzung ein besonderes Augenmerk auf den genetischen Status eines Patienten gelegt werden. So scheint einer aktuellen Studie nach insbesondere das Y-Chromosom eine Rolle zu spielen.
Kardiovaskuläre Erkrankungen sind häufigste Todesursache
Kardiovaskuläre Erkrankungen stellen eine enorme globale Belastung und die häufigste Todesursache in Deutschland dar. Umso bedeutender ist die Ermittlung von Risikofaktoren, die eine rechtzeitige Prävention ermöglichen. Neben einem gesunden Lebensstil scheinen genetische Faktoren entscheidend zu sein. In einer aktuellen Studie der Goethe-Universität Frankfurt und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) wurde untersucht, welchen Einfluss der sogenannte mosaikartige Verlust des Y-Chromosoms (LOY) auf das Erkrankungsrisiko hat.
LOY erhöht Erkrankungsrisiko
Bei LOY handelt es sich um eine häufige somatische Mutation, die bei mehr als 20% aller Männer über 60 Jahre auftritt. Dabei verliert lediglich ein Teil der Körperzellen ihr Y-Chromosom, wobei insbesondere die weißen Blutzellen betroffen sind. In präklinischen Experimenten an Mäusen konnte bereits gezeigt werden, dass sich LOY in hämatopoetischen Zellen negativ auf die kardiovaskuläre Gesundheit der Tiere auswirkt und Herzfibrosen begünstigt. In der aktuellen Untersuchung wurde der Zusammenhang nun beim Menschen untersucht.
Insgesamt wurden knapp 1700 Männer der Langzeitbeobachtungsstudie LURIC (Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health) eingeschlossen, die zwischen 1997 und 2000 eine Herzkatheteruntersuchung hatten. Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen dem Verlust des Y-Chromosoms und der kardiovaskulären Mortalität untersucht. Insgesamt war der Verlust des Y-Chromosoms in mehr als 17% der Blutzellen mit einer signifikant höheren Gesamtmortalität (Hazard-Ratio [HR] 1,41) und kardiovaskulären Mortalität (HR 1,49) assoziiert, verglichen mit Patienten, bei denen der Verlust bei 17% oder weniger lag. Mechanistisch fanden die Forschenden heraus, dass Blutzellen mit Y-Chromosom-Verlust vermehrt Botenstoffe ausschütten, die Entzündungen und Narbenbildung des Herzgewebes fördern und dadurch die kardiovaskuläre Mortalität erhöhen.
Individuelle Vorsorge und Therapie
Die neuen Erkenntnisse könnten zukünftig dazu beitragen, das kardiovaskuläre Risiko von Männern durch genetische Analysen frühzeitig abzuschätzen. So schlussfolgert Studienautor Prof. Andreas Zeiher:
Langfristig könnte die Messung des Y-Chromosom-Verlusts dabei helfen, Männer mit einem besonders hohen Risiko frühzeitig zu identifizieren und gezielt zu behandeln.
Quelle
Weyrich M, et al. Mosaic loss of Y chromosome and mortality after coronary angiography. Eur Heart J 2025:ehaf035. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf035. Epub ahead of print.
Pressemitteilung des DZHK vom 21.02.2025. Verlust des Y-Chromosoms als neuer Risikofaktor für Herzerkrankungen entdeckt. Zugriff: 25. Februar 2025.
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