Adipositas neu definiert: Welche Kriterien in Zukunft wichtig sind

In der heutigen Zeit ist Adipositas ein weitverbreitetes Problem, gleichzeitig ist eine Diagnose schwierig. Die globale Comission on Clinical Obesity hat in The Lancet Diabetes & Endocrinology nun einen neuen Ansatz veröffentlicht.

Das BMI-Problem

Obwohl Adipositas seit 2020 als Krankheit anerkannt wird, leiden die Betroffenen noch immer unter Stigmatisierung. Aus diesem Grund erhielt das Thema Stigmatisierung sogar ein eigenes Kapitel in der im Oktober 2024 erschienenen S3-Leitlinie zur „Prävention und Therapie der Adipositas“. In Deutschland ist etwa ein Viertel der Erwachsenen adipös und noch mehr übergewichtig. Als adipös gilt, wer einen Body Mass Index (BMI) ab 30 misst. Der BMI ist der Quotient aus Gewicht und Körpergröße zum Quadrat (kg/m²). BMI-basierte Messmethoden unterscheiden jedoch nicht zwischen Fett- und Magermasse. Auf dieser Basis ist keine hinreichende Auskunft über den individuellen Gesundheitszustand eines Menschen möglich.

Expertenkommission im Überblick

Die Commission on Clinical Obesity, ein Zusammenschluss aus 58 Experten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen und Ländern, veröffentlichte nun in The Lancet Diabetes & Endocrinology einige Empfehlungen für eine neue Definition von Adipositas als Krankheitsstatus. Zudem trugen sie einige geeignete und objektive Diagnosekriterien zusammen, um klinische Entscheidungen zu erleichtern. Mithilfe ihrer evidenzbasierten Empfehlungen möchte die Kommission den Weg zu einer adäquaten Therapie für Patienten ebnen. Ein weiteres Ziel ist es, auf die Notwendigkeit von Strategien zur Reduktion von Inzidenz und Prävalenz aufmerksam zu machen.

Welche Empfehlungen gibt es jetzt?

Für eine bessere Diagnose und Therapie schlägt die Kommission die Einteilung der Adipositas in zwei Kategorien vor: die klinische und präklinische Adipositas.

Die Experten definierten klinische Adipositas (KA) als eine chronische Erkrankung aufgrund Veränderungen der Organfunktionen oder des gesamten Organismus. Diese ist direkt auf eine übermäßige Fettleibigkeit zurückzuführen und unabhängig von anderen mit Fettleibigkeit zusammenhängenden Erkrankungen. KA kann zu lebensverändernden oder -bedrohlichen Komplikationen führen. Eine Diagnose sollte neben dem BMI anhand von mindestens einem anthropometrischen Kriterium, beispielweise anhand einer direkten Fettmessung, dem Taille-Hüft-Quotient oder dem Taille-Größe-Verhältnis erfolgen. Zusätzlich muss noch mindestens ein klinisches Kriterium zutreffen. Entweder gibt es Symptome für eine bestehende Störung von Organfunktionen oder Einschränkungen in der Mobilität beziehungsweise bei Alltagsaktivitäten. Patienten benötigen eine zeitnahe Therapie.

Präklinische Adipositas (PA) dagegen ist eine rein physische Erscheinung übermäßiger Fettleibigkeit, ohne Anzeichen für gestörte Organfunktionen. PA-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für KA und für Adipositas-assoziierte Erkrankungen, weshalb bei ihnen entsprechende Vorsorgeuntersuchungen erforderlich sind. Auch therapeutische Maßnahmen sollten in Betracht gezogen werden, um das Risiko für klinische Adipositas und andere Erkrankungen zu senken.

Mithilfe der anthropometrischen Messungen kann das Risiko reduziert werden, KA zu über- oder unterdiagnostizieren – wie es bei einer rein BMI-gestützten Untersuchung der Fall ist. Die Kommission hat mit ihrer Definition eine Möglichkeit geschaffen, KA objektiv anhand von biologischen Veränderungen von Organen und Gewebe zu diagnostizieren.

Literatur

Rubino F et al. Definition and diagnostic criteria of clinical obesity. Lancet Diabetes Endocrinol 2025:S2213-858700316-4. doi: 10.1016/S2213-8587(24)00316-4.

Bildquelle

gballgiggs –stock.adobe.com