Virtuelles Yoga mindert Rückenschmerz

Angaben der WHO zufolge gelten Schmerzen des unteren Rückens als häufigste Ursache für Behinderungen weltweit. Regelmäßiger Online-Yoga-Unterricht könnte helfen, diese Zahlen zu verringern, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie.

Eine von 13 Personen betroffen

Basierend auf Angaben der WHO war im Jahr 2020 jede 13. Person weltweit von Schmerzen im unteren Rücken betroffen. Im Vergleich zum Jahr 1990 ist dieser Wert um 60% gestiegen. Neben medikamentösen oder psychologischen Interventionen sollte zur Therapie chronischer Schmerzen insbesondere auf körperliche Aktivität gesetzt werden, so die Angaben einer WHO-Leitlinie von 2023 und der nationalen Versorgungsleitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“, die sich derzeit in Überarbeitung befindet. Dass hier auch die Nutzung von Online-Angeboten wie virtuellem Yoga sinnvoll sein kann, zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie.

Weniger Schmerzen, weniger Arzneimittel

Eingeschlossen in die Studie wurden 140 Patienten zwischen 18 und 64 Jahren mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken. Als Einschlusskriterium galt ein LBP(low back pain)-Intensitätsscore von mindestens 4 (Spanne: 0–10, je höher der Score, desto stärker die Schmerzen). Knapp 81% der Studienteilnehmer waren weiblich. Als Intervention galt eine wöchentliche, 60-minütige Livestream-Hatha-Yoga-Klasse, die über einen Zeitraum von zwölf Wochen durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurden die Teilnehmer dazu animiert, die erlernten Yoga-Figuren auch außerhalb des Kurses täglich für 30 Minuten auszuführen. Dazu wurde Ihnen entsprechendes Videomaterial zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmer wurden auf zwei Gruppen randomisiert, wobei die erste Gruppe den virtuellen Yoga-Kursen zugeteilt (Interventionsgruppe, n=71), während eine weitere Gruppe einer Warteliste zugeschrieben wurde (Kontrollgruppe, n=69).

Zu Beginn der Studie lag der mittlere Schmerzintensitätsscore bei 5,7 und der RMDQ(Roland Morris Disability Questionnaire)-Wert (Spanne: 0–23) bei 12,1. Der RMDQ erlaubt eine Quantifizierung körperlicher Beeinträchtigungen aufgrund von Rückenschmerzen, wobei höhere Werte auf eine stärkere Beeinträchtigung hinweisen. Nach zwölf Wochen virtuellem Yoga konnten beide Werte im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant verbessert werden (mittlere Gruppendifferenz Schmerzintensitätsscore: –1,5; mittlere Gruppendifferenz RMDQ: –2,8). Die Verbesserung hielt auch in Woche 24 noch an. Neben einem Rückgang der Schmerzintensität wurden in der Interventionsgruppe weniger Analgetika eingesetzt und die Schlafqualität konnte verbessert werden.

Bessere Ergebnisse durch Online-Angebot

Virtuelles Yoga stellt eine zeitsparende und flexible Methode dar, die chronische Rückenschmerzen längerfristig verringern könnte, so die Studienergebnisse. Den Autoren zufolge waren die dabei erzielten Werte sogar noch besser, als bei Yoga-Kursen in Präsenz, die in vergangenen Studien untersucht wurden – und das obwohl in der vorliegenden Studie nur 26,6% der Interventionsgruppe mindestens die Hälfte der Live-Termine wahr nahm. Die dennoch guten Ergebnisse begründen die Autoren mit der Möglichkeit zur Teilnahme an aufgezeichneten Kurse. Die geringe 50%-Teilnahme von 26,6% der Patienten ist jedoch auch eine zentrale Limitation der Studie. Weiterhin handelt es sich bei den Ergebnissen um selbst berichtete Angaben unverblindeter Patienten, die zu einer Verzerrung der Ergebnisse geführt haben könnten.

Quelle

Tankha H, et al. Effectiveness of Virtual Yoga for Chronic Low Back Pain: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open 2024;7:e2442339. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2024.42339.

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