Dass Diabetes mellitus ein Risikofaktor für verschiedene Erkrankungen ist, dürfte den meisten bekannt sein. Eine Beobachtungsstudie gibt jedoch Anlass zu der Annahme, dass das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen bei späteren Diabetes-Patienten bereits Jahre vorher erhöht ist.
Die retrospektive Registerstudie
Das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (KVE), wie Myokardinfarkt und ischämischer Schlaganfall, ist für bestimmte Patientengruppen erhöht. Diabetes mellitus Typ 2 (T2D) als ein bekannter Risikofaktor betrifft einen erschreckend großen Teil der Weltbevölkerung – mit steigender Tendenz. Ebenso ist jedoch auch Prädiabetes mit einem erhöhten KVE-Risiko assoziiert. In einer dänischen Registerstudie gingen die Studienautoren der Frage nach, wie häufig KVE bei Patienten schon bis zu 30 Jahre vor ihrer T2D-Diagnose auftraten gegenüber Vergleichs-Patienten, die später keine T2D-Diagnose erhielten.
Die Daten aus dänischen Gesundheitsregistern von 127.092 Patienten, die eine T2D-Diagnose erhielten, und 381.023 dazu passenden Vergleichspatienten ohne T2D-Diagnose wurden in die kombinierte Fall-Kontroll-/Kohorten-Studie eingeschlossen. Von Interesse war der Zeitraum von 30 Jahren vor bis fünf Jahre nach der Diagnose. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, mit Gestationsdiabetes und mit polyzystischem Ovarialsyndrom. Auch Patienten, die bereits vor dem betrachteten Risikozeitfenster von 30 Jahren eine KVE hatten, wurden nicht berücksichtigt.
Doppelt so hohes Risiko
Tatsächlich hatte die T2D-Kohorte über den gesamten Studienzeitraum hinweg betrachtet eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine KVE als die Vergleichskohorte. Dabei stiegt die KVE-Prävalenz in beiden Gruppen mit dem Näherrücken des Diagnosetags. Den Tag der T2D-Diagnose bezeichnen die Autoren der Studie als „Index-Tag“. Dieser gilt auch für die ihnen zugeordneten Vergleichspatienten als Fixpunkt. In den letzten fünf Jahren vor dem Index-Tag belief sich die KVE-Prävalenz auf 11,2% in der T2D-Kohorte gegenüber 4,7% in der Vergleichs-Kohorte (Odds-Ratio 2,96; 95%-Konfidenzintervall 2,85–3,08). Aus der kumulativen KVE-Inzidenz (4,6% gegenüber 2,5%) in den fünf Jahren Follow-up nach dem Index-Tag ergab sich ein Hazard-Ratio von 2,20 (95%-Konfidenzintervall 2,12–2,27).
Eine Geschichte von Kausalität und Korrelation
Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass ein Zusammenhang zwischen T2D und dem Risiko von KVE besteht. Jedoch ist davon auszugehen, dass dies zum Teil weniger auf die T2D-Erkrankung und mehr auf die Krankheitsentwicklung zurückzuführen ist. Viele Faktoren, die zu T2D führen, steigern auch das KVE-Risiko. Insbesondere diagnostiziertes Übergewicht und Bluthochdruck, aber auch körperliche Inaktivität und Dyslipidämie wirken sich negativ aus. Eine frühzeitige Identifizierung von Patienten mit erhöhtem Risiko sowohl für T2D als auch für KVE ist wichtig, um präventive Maßnahmen einzuleiten.
Limitiert sind die Studienergebnisse dadurch, dass nur Patienten eingeschlossen wurden, die zum Diagnosezeitpunkt am Leben waren. Personen, die vor einer möglichen T2D-Diagnose an KVE verstarben, wurden nicht erfasst. Zudem waren die Daten zum genauen Lebensstil der einzelnen Personen unbekannt, sofern sie nicht aus den Diagnosedaten entnommen werden konnten. Dänemark ist ein Land mit hohem Einkommen, einer allgemeinen Gesundheitsabsicherung und gilt als Land mit niedrigem KVE-Risiko. Aus diesem Grund ist eine Verallgemeinerung der Ergebnisse auf die gesamte Weltbevölkerung nicht möglich.
Diese Beobachtungsstudie zeigt dennoch, wie wichtig präventive Maßnahmen sind. Sie sollten deutlich früher sowie in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen eingesetzt werden. Dennoch gibt es nach wie vor zu wenige randomisierte kontrollierte Studien, um klare Präventionsstrategien für junge Erwachsene an die Hand zu geben.
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