Fasten hört man häufig im Zusammenhang mit einem gesunden Lifestyle. Doch eine neue Nature-Studie gibt Hinweise, dass das Fastenbrechen die Proliferation von intestinalen Stammzellen und die Tumorgenese steigern kann.
Fasten ist keine Neuheit
Die Praxis des Fastens ist in den unterschiedlichsten Formen und aus zahlreichen Kulturen (mit meist religiösem Ursprung) überliefert und erfreut sich auch heute großer Beliebtheit. Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb sich Menschen für Fastenkuren entscheiden. Klassischerweise dienen sie zur Behandlung von Allergien und Stoffwechselerkrankungen oder schlichtweg zur Gewichtsreduktion. Neben der Nulldiät und modifizierten Formen mit einer Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr wird gerne auch die nicht-religiöse Variante des Heilfastens gewählt. Dieses soll mithilfe eines vorgegebenen Plans den Körper „entschlacken“ – sprich Giftstoffe aus dem Körper ausscheiden – und die Seele reinigen. Man findet zahlreiche Berichte über die positiven Auswirkungen von Fastenkuren, darunter eine verlängerte Lebensdauer, eine verbesserte Geweberegeneration und allgemeine gesundheitliche Vorteile. Verschiedene Studien haben vor allem inhibierende Auswirkungen von Fasten auf das Tumorwachstum gezeigt, doch inzwischen gibt es auch Hinweise auf nachteilige Effekte.
Studie zeigt neuen Blickwinkel
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Massachusetts Institute of Technology/USA untersuchten die Effekte von Fastenbrechen auf die Stammzell-vermittelte Regeneration und die Initiation der Tumorgenese im Darm von Mäusen. Ihr Resümee: Neben den positiven Auswirkungen hat Fasten auch einen negativen metabolischen Einfluss auf den Darm.
Einblick in die Studienergebnisse
Die Ernährung und die Nährstoffe beeinflussen die Zusammensetzung des Darminhalts indirekt durch Unterdrückung von Signalwegen, aber auch direkt. Durch eine Fastenphase von 24 Stunden beispielweise wird die Funktion von intestinalen Stammzellen durch die Aktivierung der Fettsäure-Oxidation verbessert. Die Studienergebnisse sprechen dafür, dass viele der Vorteile von Fasten während dem Fastenbrechen durch die Stimulation der intestinalen Stammzellen auftreten. Während das Wachstum der Stammzellen zunimmt, passen allerdings auch die Tumorvorläuferzellen ihren Stoffwechseln an. Sowohl die Darmstammzell-vermittelte Regeneration nach Verletzungen als auch die Tumorigenität werden durch das Fastenbrechen vorangetrieben – durch die Regulation eines neu entdeckten Mechanismus über mTOR, den Polyaminstoffwechsel und die Protein-Translation.
Gleichzeitig wird auch ein Tumorsuppressor-Gen inaktiviert – ein Gen, das eigentlich dafür sorgen soll, dass Krebszellen schon im Entstehungsprozess bekämpft werden. Das ist ein eher ungünstiger Effekt,“
so Prof. Dr. Dr. Alpaslan Tasdogan, Professor für Tumormetabolismus in der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Essen.
Polyamine werden zu einem großen Teil über die Nahrung zugeführt aber auch über Decarboxylierung aus Ornithin synthetisiert und spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Zellwachstum, Differenzierung und Apoptose. Durch die Aktivierung des Polyamin-Stoffwechsels wird die Regenerationsfähigkeit der Stammzellen gesteigert. Allerdings bedeutet dies auch, dass aus Krebsvorläuferzellen vermehrt Tumore entstehen können.
Die Wissenschaftler vermuten, dass ein erhöhtes Risiko für das Auftreten intestinaler Tumore besteht, wenn intestinale Stammzellen im Zeitraum des Fastenbrechens genetischen Veränderungen ausgesetzt sind. Denn aufgrund der Daten ist anzunehmen, dass das Fastenbrechen zu einem Ausbruch an Stammzell-getriebener Regeneration führt. Weitere Studien dazu sind notwendig. Es gilt zudem, herauszufinden, welchen Einfluss die Kalorienzufuhr, das zeitliche Verhältnis zwischen der Zeitspanne des Fastens und die Länge des Fastenbrechens sowie die Auswirkungen verschiedener Fastenregime haben.
Allgemein sollten Fastenpläne mit therapeutischem Ziel stets mit dem behandelnden Arzt und unter sorgfältiger Nutzenabwägung abgestimmt werden.
Quellen
Uni Duisburg-Essen: Fasten verändert den Stoffwechsel in Krebszellen. 22.08.2024.