Fünf Mythen zur Zahngesundheit

Der Tag der Zahngesundheit 2024 am 25. September steht unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – von Anfang an!“ Im Fokus stehen dieses Jahr Schwangere und Kleinkinder. Die Gelegenheit, mal wieder über die gängigsten Klischees zu sprechen.

Früh und spät übt sich

Der Aktionskreis zum Tag der Zahngesundheit möchte in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Zahngesundheit von Schwangeren und Kleinkindern legen, denn die richtige Zahnpflege ist in jeder Lebensphase wichtig. Doch bevor man sich auf die spezifischen Empfehlungen stürzt, ist ein Blick auf die Grundlagen sinnvoll; denn manche Klischees halten sich.

  1. Karies haben nur Kinder

Die frühkindliche Karies stellt die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern im Vorschulalter dar. Gerade deshalb sind eine präventive Aufklärung und die korrekte Mundhygiene von Anfang an wichtig. Dennoch ist die Zahnerkrankung nicht auf die Milchzähne und damit das Kindesalter beschränkt. Denn Karies entsteht durch ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren. Mikroorganismen in der Mundhöhle produzieren durch das Verstoffwechseln von niedermolekularen Kohlenhydraten unter anderem organische Säuren. Diese lösen beim Prozess der Demineralisierung Hydroxylapatit aus der Zahnhartsubstanz heraus. Solange der Prozess auf den Zahnschmelz beschränkt ist, spricht man von der sogenannten Schmelzkaries (Caries superficialis). Sobald das Dentin ebenfalls betroffen ist, setzen die typischen Zahnschmerzen ein und die Zähne werden sensibler – die Dentinkaries (Caries media). Im Spätstadium befällt die Karies auch das als Pulpa bezeichnete Zahnmark und verursacht starke Schmerzen. Als Komplikation dieser tiefen Karies (Caries profunda) kann auch die Zahnwurzel mit betroffen sein.

  1. Je stärker man putzt, desto sauberer die Zähne

„Nur noch kurz die Zähne putzen.“ Ein Satz, der direkt zwei Fehler in sich trägt. Die Zahnhygiene sollte idealerweise zweimal täglich durchgeführt werden und mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Das sorgfältige Putzen aller Zahnoberflächen und des Zahnfleisches ist ebenso wichtig wie die Reinigung der Zahnzwischenräume. Dort sammeln sich ebenfalls Speisereste, die mit der Bürste nur schwer zu entfernen sind. Auch die Säuberung der Zunge wird gerne vergessen, dabei siedeln sich auch hier jeden Tag Bakterien an. Gleichzeitig üben in der Hektik viele Menschen zu viel Druck auf die Bürste aus. Der Zahnschmelz und das Zahnfleisch können jedes Mal mechanisch verletzt und dadurch geschwächt werden, was sie anfälliger für degenerative und entzündliche Prozesse macht.

Und außerdem was heißt denn nur? Wenn wir bedenken, dass wir unsere Zähne tagtäglich im Einsatz haben und wie sehr unsere Lebensqualität durch Zahnschäden leidet, dann sollten wir die tägliche Zahn- und Mundhygiene mit deutlich mehr Bedacht durchführen.

  1. Kaugummis oder eine Mundspüllösung ersetzen das Zähneputzen

Mithilfe von geeigneten Kaugummis kann der Speichelfluss angeregt werden. Der Speichel setzt sich aus organischen und anorganischen Bestandteilen, sowie zum größten Teil aus Wasser zusammen. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die ersten Verdauungsschritte der Nahrung, die Erregerabwehr und die Pufferung von Säuren aus der Nahrung. Aber auch Schutz und Reparatur der Mundschleimhaut sowie der Schutz und die Remineralisation der Zahnsubstanz sind wesentliche Aufgaben. Wichtig ist hier ein Blick auf die Inhaltsstoffe, denn Glucose zum Beispiel ist hier nicht zielführend.

Mundspüllösungen dagegen dienen zur Prophylaxe gegen Erkrankungen von Mundschleimhaut und Zähnen sowie deren Therapie. Handelsübliche Lösungen enthalten in der Regel neben Wasser und Ethanol auch Bestandteile wie Salbei oder Kamille. Sie dienen zur Keimzahlreduktion in der Mundhöhle, besonders an schwer zugänglichen Stellen und zur Erfrischung des Atems. Medizinische Mundspüllösungen können darüber hinaus auch Bestandteile wie Fluoride zur Kariesprophylaxe enthalten oder das antimikrobielle Chlorhexidin bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, da es bakterizid wirkt. Normalerweise werden sie nach dem Zähneputzen angewendet.

Beide Produkte sind additiv zur Mundhygiene möglich, stellen jedoch aufgrund der fehlenden mechanischen Säuberung keinen Ersatz für das Zähneputzen dar.

  1. Zahnseide ist überflüssig

Wie weiter oben bereits angemerkt ist die Reinigung der Zahnzwischenräume ein Schritt in der täglichen Zahnhygiene, den man nicht auslassen sollte. Mit der Zahnbürste allein erreicht man nur 70 % der Zahnoberfläche. Bei größeren Zahnabständen ist die Verwendung von Interdentalbürsten möglich (erhältlich in verschiedenen Größen). Etwas kniffeliger für ungeübte Finger, aber dafür effektiver bei engen Zahnzwischenräumen ist die Zahnseide. Mit der richtigen Einweisung durch zahnärztliches Fachpersonal ist das jedoch eine effektive Maßnahme zum Entfernen von Speiseresten und Biofilmen, die in der Regel keine Schmerzen verursachen sollte.

  1. Wenn die Borsten wegstehen, ist Zeit für eine neue Bürste

Das ist per se nicht falsch. Denn wenn das der Fall ist, wird eine sorgfältige Zahnreinigung unwahrscheinlich. Passiert das allerdings schon schnell nach dem Austausch der Bürste, dann sind wir wieder bei Punkt 2: zu viel Druck. Beim nächsten jährlichen Zahnarzttermin darf man hierzu gerne eine fachkundige Person um Rat fragen.

Aber auch wenn die Bürste noch in Form ist, empfehlen viele Hersteller den Austausch spätestens alle drei Monate. Zur Seite stehende Borsten sind das Endstadium der Abnutzung, während die Putzkraft schon zuvor abnimmt und die Reinigung ineffizient macht. Gleichzeitig werden die Borsten selbst durch die Abnutzung rau und durch die regelmäßige Verwendung in der Mundhöhle schafft man ein feucht-warmes Milieu. Ähnlich wie bei einem Küchenschwamm haben Bakterien und Keime die idealen Voraussetzungen zum Ansiedeln und Gedeihen. Bakteriellen Entzündungen und Mundgeruch können wir deshalb mit so einer einfachen Maßnahme wie dem regelmäßigen Auswechseln der Bürste entgegenwirken und damit idealerweise den Kleinkindern eine nervenaufreibende und schmerzhafte Zeit ersparen.

Quellen

Pressemitteilung zum Tag der Zahngesundheit 2024 vom 01. August 2024.

Produktinformationen Verschiedener Zahnbürstenhersteller.