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Selten aber lebensbedrohlich: Myokarditis unter Immuncheckpoint-Inhibitoren

Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) sind in der Onkologie mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Doch mit dem steigenden Einsatz der Wirkstoffe rücken auch Nebenwirkungen der Therapie vermehrt in den Fokus. Besonders die ICI-assoziierte Myokarditis sollte nicht unterschätzt werden, so die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse.

Immunstimulierende Wirkstoffe

ICI haben in der Onkologie immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die monoklonalen Antikörper richten sich gegen Oberflächenproteine, beispielsweise PD-1, und heben dadurch immuninhibierende Signale zwischen Tumor- und T-Zellen auf. In der Folge wird die Immunantwort gegen Tumorzellen reaktiviert. Die Aktivierung des Immunsystems kann jedoch auch zu unerwünschten Ereignissen (UE) führen, die in verschiedenen Organsystemen auftreten können. Auch von kardiovaskulären Ereignissen durch ICI wird häufiger berichtet, darunter Myokarditis, Perikarditis, akutes Koronarsyndrom und Herzinsuffizienz. Kardiologische Ereignisse unter ICI sind zwar selten, gehen jedoch mit einer äußerst hohen Mortalität und Morbidität einher. Insbesondere die Myokarditis birgt ein hohes Risiko für die Patienten.

Mittlerweile kommen bereits mehr als 40% aller Krebspatienten für eine Therapie mit ICI infrage und auch zukünftig wird aufgrund von Indikationserweiterungen und der Entwicklung neuer Substanzen mit einem steigenden ICI-Einsatz gerechnet. Ein effektives Nebenwirkungsmanagement wird folglich unentbehrlich. In einer aktuellen Metaanalyse wurde die Kardiotoxizität von ICI und ICI-Kombinationstherapien nun unter die Lupe genommen.

Geringe Inzidenz, hohe Mortalität

In den ersten Teil der Analyse („Study 1“) wurden 589 Phase-I- bis -IV-Studien mit 83.315 Patienten eingeschlossen. Circa 1% der Patienten erlitten ICI-induzierte kardiovaskuläre Ereignisse. Unter dem PD-1-gerichteten ICI Cemiplimab war die Inzidenz höhergradiger kardiovaskulärer Ereignisse (Grad 3 und 4) mit etwa 2,9% am höchsten (18 Ereignisse bei 558 Patienten). Weiterhin war die Myokarditis-Inzidenz beim dualen Einsatz von ICI im Vergleich zur Monotherapie signifikant erhöht. Bezogen auf allgemeine kardiovaskuläre Ereignisse war die Inzidenz beim dualen Einsatz jedoch nicht erhöht. Auch die Kombination von ICI mit Chemotherapien oder Tyrosinkinase-Inhibitoren erhöhte die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse nicht.

In den zweiten Teil („Study 2“) wurden Fallberichte und retrospektive Analysen zur Manifestierung und Therapie ICI-assoziierter kardiovaskulärer Ereignisse herangezogen. Insgesamt wurden 223 Fälle eingeschlossen. Für die ICI-assoziierte Myokarditis wurde hier eine Mortalität von knapp 38% ermittelt (83 von 220 Patienten).

Prospektive Studien notwendig

Die Rate von ICI-induzierten kardiovaskulären unerwünschten Ereignissen unter ICI war in der vorliegenden Studie mit rund 1% recht gering ist. Dennoch zeigt die hohe Sterblichkeit der Patienten insbesondere bei Auftreten einer Myokarditis (38%) die Relevanz der Thematik. Entscheidende Punkte für eine bestmögliche Behandlung der betroffenen Patienten sind die frühzeitige Erkennung derartiger unerwünschter Ereignisse, Abbruch der ICI-Therapie, unverzügliche Einleitung einer Glucocorticoid-Therapie sowie Eskalation der Therapie, so die Studienautoren. Weiterhin weisen die Autoren auf die Dringlichkeit prospektiver klinischer Studien bzw. prospektiver Aufzeichnungen der Behandlungen und Ergebnisse zur Erarbeitung von Monitoring- und Managementstrategien hin.

Quellen

Mincu RI, et al. Onkologische Kardiologie. Das neue Fachgebiet der Kardiologie. Medizinische Monatsschrift für Pharmazeuten 2024.5:170–9.

Nielsen DL, et al. Immune Checkpoint Inhibitor-Induced Cardiotoxicity: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Oncol 2024:e243065.

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