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Alzheimer – neue Hoffnung durch Bluttests?

Die Diagnose der Alzheimer-Erkrankung könnte zukünftig durch die Anwendung von Bluttests in der Primär- und Sekundärversorgung beschleunigt werden. Das geht aus einer aktuellen schwedischen Studie hervor.

Biomarker der Alzheimer-Erkrankung

Für die Diagnose der Alzheimer-Erkrankung kommen neben ausführlichen Anamnesegesprächen, kognitiven Tests und bildgebenden Verfahren (MRT/CT/PET) auch Biomarkeruntersuchungen im Liquor zum Einsatz. Besonders relevant sind dabei Peptide der Amyloid-Plaques sowie Tau-Proteine – beide spielen eine Schlüsselrolle in der Pathophysiologie der Erkrankung.

Beta-Amyloide

Bei der Alzheimer-Erkrankung kommt es zur Ablagerung sogenannter Amyloid-Plaques im Gehirn, die sich aus zunächst löslichen Aβ-Peptiden zusammen setzen. Durch die Aggregation von Aβ-Plaques nimmt die freie Konzentration von Aβ-Peptiden im Gehirn der Erkrankten ab – so die Theorie. Im Liquor von Alzheimer-Patienten kann daher eine geringere Konzentration freier Aβ-Peptide nachgewiesen werden.

Tau-Proteine

Neben Aβ-Plaques liegt im Gehirn von Alzheimer-Patienten eine Ansammlung intrazellulärer neurofibrillärer Tangels (NFT) vor, die aus hyperphosphorylierten Tau-Proteinen (pTau) bestehen. Weiterhin ist die Menge an Gesamt-Tau im Liquor aufgrund neuronaler Schädigung erhöht.

Aβ (insbesondere Aβ42), pTau, die Gesamt-Tau-Konzentration sowie daraus abgeleitete Quotienten dienen demnach als wichtige Biomarker der Alzheimer-Erkrankung.

Bluttest liefert 91% Diagnosegenauigkeit

Alzheimer-Biomarker werden üblicherweise nach einer Lumbalpunktion im Liquor gemessen. Sie können aber auch verdünnt im Blut nachgewiesen werden. Die Biomarker sind daher Angriffspunkt möglicher Bluttests zur Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung, an denen bereits ausgiebig geforscht wird. Für die klinische Praxis sind derartige Tests aber aktuell noch nicht ausreichend validiert.

In einer aktuellen schwedischen Studie wurde der Bluttest PrecivityAD2 in der Primär- und Sekundärversorgung evaluiert. Bei diesem Test wird mittels Massenspektrometrie von Plasmaproben der prozentuale Anteil von pTau217 sowie der Quotient Aβ42/Aβ40 bestimmt. Anhand eines logistischen Regressionsmodells, das zuvor an einer unabhängigen Kohorte getestet wurde, kann dann der Amyloid Probability Score 2 (APS2) bestimmt werden. Dieser gibt Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Erkrankung. In die Studie wurden 1213 Patienten eingeschlossen, die aufgrund kognitiver Symptome eine Klinik aufsuchten. Die Studienteilnehmer wurden in die Gruppen Primär- (n=515) und Sekundärversorgung (n=698) unterteilt. Das mittlere Alter betrug 74 Jahre, 48% waren Frauen. Die Biomarker-Cut-Off-Werte wurden zuvor in einer unabhängigen Kohorte bestimmt.

In der Primär- und Sekundärversorgung konnte die Alzheimer-Erkrankung mithilfe des Bluttests mit einer Genauigkeit von 91% erkannt werden. In der Primär- bzw. Sekundärversorgung lag die Diagnosegenauigkeit mittels üblicher Methoden (keine Biomarker-Daten) durch die Ärzte hingegen bei 61% bzw. 73%.

Frühe Diagnose ermöglicht frühe Therapie

Sowohl in den USA als auch in der EU hat der Precivity-AD-Test bereits eine Marktzulassung erhalten. Die Tests werden in Europa aktuell jedoch lediglich im Studiensetting verwendet. Basierend auf den vorliegenden Studiendaten könnten die Bluttests zukünftig zu einer frühzeitigen Diagnose der Alzheimer-Erkrankung bereits in der Primärversorgung führen und damit auch zu einer zeitnahen Therapie beitragen. In zukünftigen Studien sollte der Bluttest in Patientengruppen weiterer Länder validiert werden, insbesondere in der Primärversorgung, so die Studienautoren.

Quellen

Abbott A. Blood tests could soon predict your risk of Alzheimer’s. Nature 2024;632:243-245.

Palmqvist S, et al. Blood biomarkers to detect alzheimer disease in primary care and secondary care. JAMA:e2413855. doi: 10.1001/jama.2024.13855. Epub ahead of print.

AWMF. S3-Leitlinie Demenzen. AWMF-Register Nr. 038-013. Stand: 28.11.2023.