Bei hoch emetogener Chemotherapie ist Olanzapin je nach Leitlinie als Primär- oder Rescuetherapie empfohlen. Ergebnisse einer im August 2024 publizierten Studie zeigten, dass Olanzapin auch bei moderat emetogener Chemotherapie die Symptome der Betroffenen signifikant verbessert.
In Deutschland bisher nur Rescuetherapie
Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) hat 2020 ihre Leitlinie zu Antiemetika überarbeitet. Im Zuge dessen wird bei hoch emetogener Chemotherapie (HEC) zur Primärprophylaxe bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen (CINV) eine 4-fach Kombination eines NK1-Rezeptorantagonisten, 5-HT3-Rezeptorantagonisten, Dexamethason und Olanzapin empfohlen. Auch die European Society for Medical Oncology (ESMO) hat in ihrem Leitlinien-Update 2023 Olanzapin in die Erstlinie bei HEC aufgenommen. Bei moderat emetogener Chemotherapie empfehlen beide Leitlinien Olanzapin als Rescuetherapie.
In Deutschland wurde Olanzapin noch nicht in die Primärprophylaxe aufgenommen, sondern bleibt Rescuetherapeutikum. Vielleicht können die neuen Studiendaten den Stellenwert des atypischen Neuroleptikums in der Prophylaxe der CINV auch in Deutschland erhöhen.
Olanzapin zur CINV-Prophylaxe bei MEC
560 Patienten mit moderat emetogener Chemotherapie (MEC) wurden in der Phase-III-Studie 1:1 in die Observations- oder Olanzapin-Gruppe randomisiert. Alle Teilnehmer erhielten zur CINV-Prophylaxe Palonosetron, Dexamethason und Aprepitant. Die Patienten der Olanzapin-Gruppe erhielten zusätzlich 10 mg Olanzapin an den ersten drei Tagen nach Chemotherapie.
Primärer Studienendpunkt war das komplette Ansprechen (CR) der Studienteilnehmer. Das CR war definiert als Anteil der Patienten ohne Erbrechen, ohne Übelkeit (< 5 auf visueller Analogskala) sowie ohne Einsatz von Rescuemedikation in den ersten 120 Stunden nach Therapie.
Signifikante Verbesserung der Symptome
91 % Teilnehmer der Olanzapin-Gruppe sprachen komplett auf die Primärprophylaxe an. In der Observationsgruppe erreichten 82 % der Patienten den primären Endpunkt. Rescuemedikation benötigten 4 % der Patienten der Olanzapin-Gruppe und 11 % der Patienten der Observationsgruppe. Hinsichtlich beider Endpunkte zeigte sich die Olanzapin-Add-on-Therapie statistisch signifikant überlegen (p = 0,005 und p = 0,001).
In Subgruppenanalysen zeigte sich die signifikante Überlegenheit bei Patienten mit Oxaliplatin- oder Carboplatin-basierter Chemotherapie, nicht jedoch bei Irinotecan-basierter Therapie.
Die Studienautoren schließen mit dem Fazit, dass Olanzapin als Standard of care bei moderat emetogenen Chemotherapie-Regimen erwogen werden sollte.
Quelle
Ostwal V, et al. Olanzapine as antiemetic prophylaxis in moderately emetogenic chemotherapy: a phase 3 randomized clinical trial. JAMA Netw Open 2024;7(8):e2426076. Published 2024 Aug 1.