Wie jede Krebstherapie kann auch die CAR-T-Zelltherapie zu unter Umständen tödlichen Nebenwirkungen führen. Die häufigsten Sterblichkeitsursachen, die nicht auf einem Rückfall des behandelten Tumors basieren, sind dabei schwere Infektionen, so die Ergebnisse einer Metaanalyse.
Internationales Forschungsteam untersucht Todesursachen
Erst kürzlich konnten die Ergebnisse einer Studie mit Patienten des Stanford University Medical Centers Entwarnung zur CAR-T-Zelltherapie geben: Demnach sei das Risiko für spätere T-Zell-Lymphome unter der Therapie gering. Doch neben Zweittumoren können weitere Komplikationen bei der Immuntherapie auftreten. Welche das sind und wie groß die Sterblichkeit dadurch ist, wurde nun von einem internationalen Forschungsteam untersucht, darunter auch dem LMU Klinikum in München.
Hälfte der Todesfälle mit Infektionen assoziiert
In die Metaanalyse wurden 46 Studien mit insgesamt 7.604 Patienten mit verschiedenen Leukämien und Lymphomen eingeschlossen. Dabei wurden 574 Todesfälle gemeldet, die nicht auf den Rückfall des behandelten Tumors zurückzuführen waren. Die häufigsten Todesursachen waren Infektionen (50,9%), sekundäre Tumoren (7,8%) und kardiovaskuläre/respiratorische Ereignisse (7,3%). CAR-T-Zell-spezifische Nebenwirkungen, beispielsweise das Immuneffektorzell-assoziierte Neurotoxizitätssyndrom oder Zytokinsturm, hatten einen kumulierten Anteil von 11,5%.
Bisherige Annahmen „auf den Kopf gestellt“
Auch die Ergebnisse dieser Studie deuten auf ein eher seltenes Auftreten der häufig diskutierten Zweittumoren nach CAR-T-Zelltherapie hin. Stattdessen überraschten die Ergebnisse mit dem hohen Sterblichkeitsrisiko durch schwere Infektionen. Der Appell von Studienleiter Priv.-Doz. Dr. Kai Rejeski, Medizinische Klinik III des LMU Klinikums, lautete daher:
Unser Augenmerk muss in Zukunft vor allem darauf liegen, Infektionen von vornherein so gut wie möglich vorzubeugen, sie frühzeitig zu erkennen und Infektionen auch in Studien präziser zu beschreiben. Da geht es definitiv um die Schaffung eines Problembewusstseins.
Dennoch schlussfolgerte Rejeski:
Der Nutzen der CAR-T-Therapie überwiegt die Risiken bei Weitem […].
Quellen
Cordas Dos Santos DM, et al. A systematic review and meta-analysis of nonrelapse mortality after CAR T cell therapy. Nat Med 2024. doi: 10.1038/s41591-024-03084-6. Epub ahead of print.
Pressemitteilung LMU Klinikum: CAR-T: Infektionen sind häufigste schwere Komplikation. 08. Juli 2024.