Langwirksame Injektion oder orale Antipsychotika: Welche Medikationsform kann Rückfälle bei frühen Psychosen besser verhindern? Eine spanische Studie sieht einen Benefit durch die Depotspritze.
Frühe Behandlung beugt Rückfällen vor
Etwa 50 von 100.000 Menschen erkranken an einer Psychose, meist um das 25. Lebensalter herum. Ohne Pharmakotherapie folgen auf eine erste Episode bei bis zu 80 % der Patienten Rückfälle innerhalb von fünf Jahren. Bei psychotischen Erkrankungen ist eine Therapie daher in der Frühphase der ersten Episode angezeigt, etwa mit Clozapin, Olanzapin oder Aripiprazol. Langwirksame injizierbare Antipsychotika (long-acting injectable antipsychotic treatments, LAI) sind eine etablierte Behandlungsoption, die aufgrund ihrer Depotwirkung die Problematik einer Non-Adhärenz umgehen kann.
Vergleich LAI und Oralia
Die Studienautoren der vorliegenden Analyse wollten bisherigen Hinweisen aus älteren Studien auf den Grund gehen und die Wirkung von LAI überprüfen: in einer größeren Kohorte, in verschiedenen Therapiephasen und zu Real-World-Bedingungen. Sie stellten zwei unabhängige Patientengruppen gegenüber, die jeweils langwirksame Injektionen oder orale Antipsychotika bekamen.
Bewertet wurde die Anzahl der psychiatrisch bedingten Krankenhausaufenthalte von 228 Patienten, die eine LAI erhielten, im Vergleich zu 667 mit oraler Therapie. Beide Kohorten wurden vor, während und nach der LAI-Behandlung der LAI-Kohorte zeitgleich zu mehreren Terminen untersucht.
Mehr Verbesserung in LAI-Kohorte
Die Zahl der psychiatrischen Krankenhausaufenthalte war eingangs, also vor dem LAI-Start, in der LAI-Kohorte signifikant höher (2,50 ± 2,61 vs. 1,19 ± 1,69; p < 0,001). Ab der Initialisierung der LAI-Gabe zeigten die Gruppen ein Angleichen in der statistischen Analyse bezüglich der durchschnittlichen Hospitalisierung: LAI 0,23; Standardabweichung [SD] 0,7 vs. Oralia 0,11; SD 0,52. Nach Beendigung der LAI stiegen am Ende der Nachbeobachtungszeit in der Injektions-Kohorte die Krankenhausaufenthalte wieder an: LAI 0,45; SD 1,13 vs. Oralia 0,20; SD 0,79.
Insgesamt war nach Einführung der LAI-Behandlung ein stärkerer Rückgang der Krankenhauseinweisungen zu verzeichnen als unter oralen Antipsychotika. Die Studienautoren schließen daraus auf einen Vorteil für den Einsatz von LAI als praktikable Strategie zur Verhinderung von Rückfällen und zur Verbesserung des Gesamtverlaufs der Behandlung bei frühen Psychosen.
Überlegen bei schweren Verläufen?
Weiterhin beschrieben die Autoren eine Art „Normalisierung“ im klinischen Verlauf bei schwer erkrankten Patienten durch LAI. Daher könnte diese Therapieoption schwereren Krankheitsverläufen einer oralen Behandlung überlegen sein.
Es ergab sich allerdings im Gegensatz zu Erkenntnissen aus früheren Studien keine grundsätzliche Überlegenheit von LAI gegenüber oralen Antipsychotika. Die Autoren unterstreichen bei ihren Ergebnissen trotz fehlender Vorteile von randomisierten kontrollierten Studien eine hohe Repräsentanz für die reale klinische Praxis. Darüber hinaus könne die LAI als wirksame Strategie dienen, eine unzureichende Therapietreue zu erkennen und zu verbessern.
Quelle
Sancho-Echeverria R, Aymerich C, Rodríguez-Sánchez J-M, Gil P, et al. Effect of long-acting antipsychotic treatmenton psychiatric hospitalization rate in earlypsychosis patients: a naturalistic study. Ther Adv Psychopharmacol 2024, Vol. 14: 1–12. DOI: 10.1177/ 20451253241243273.