Neurodermitis: Hilft natriumarme Ernährung?

Die Therapie der Neurodermitis erfolgt in der Regel stufenweise, begonnen bei einer topischen Therapie, gefolgt von systemischen Therapien. Weiterhin wird die Vermeidung von individuellen Triggerfaktoren empfohlen. Ob diese auch die ernährungsbedingte Natriumaufnahme einschließen, wurde in einer aktuellen Studie untersucht.

Hohe Prävalenz, komplexe Pathogenese

Mit einer Jahresprävalenz von 10% bei Kindern und Jugendlichen sowie knapp 2% bei Erwachsenen gehört die Neurodermitis (atopische Dermatitis [AD]) zu den häufigsten Hauterkrankungen. Die Ursachen der chronisch-entzündlichen Erkrankung sind vielfältig. So spielen neben einer genetischen Prädisposition zahlreiche Auslösefaktoren für die Erstmanifestation und das Auftreten von Erkrankungsschüben eine Rolle. Die Studienlage liefert beispielsweise Hinweise, dass einige allergenspezifische Immunantworten und möglicherweise auch Reaktionen auf körpereigene Proteine Krankheitsentstehung und -verlauf beeinflussen. In der aktuellen S3-Leitlinie wird die Pathogenese daher als polyätiologisch und polygenetisch beschrieben.

Therapiemöglichkeiten der AD reichen von topischen Arzneimitteln bei leichten bis moderaten Formen, beispielswiese mit Glucocorticoiden, bis hin zu systemischen Arzneimitteln wie Immunsuppressiva oder Biologika. Im Zuge der nichtmedikamentösen Therapieverfahren werden zudem diätetische Interventionen diskutiert, insbesondere zur Reduktion möglicher Allergene. In einer aktuellen Studie wurde eine natriumarme Ernährung als weitere Maßnahme diskutiert.

Positiver Zusammenhang aufgedeckt

In der Querschnittstudie wurde die 24-Stunden-Natriumausscheidung von 215.832 Teilnehmern (Alter zwischen 37 und 73 Jahren) aus der UK-Biobank mittels Urinproben ermittelt. Als primärer Endpunkt galt das Auftreten einer AD oder aktiven AD. Die mittlere geschätzte Natriumausscheidung betrug 3,01 g pro Tag. 10.839 der Teilnehmer (5%) hatten eine AD-Diagnose.

  • Die Auswertung der Daten zeigte, dass eine Erhöhung der Natriumausscheidung um 1 g mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine AD (adjustierte Odds-Ratio [aOR] 1,11; p < 0,001) sowie mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine aktive AD (aOR 1,16; p < 0,001) einherging.
  • Wurden lediglich Teilnehmer mit einer 24-Stunden-Natriumausscheidung von ≤ 2,1 g in die Analyse eingeschlossen, konnte kein Zusammenhang mit einer AD festgestellt werden.
  • Insgesamt schien der Zusammenhang zwischen 24-Stunden-Natriumausscheidung und AD-Risiko für Frauen (aOR 1,15) stärker als für Männer (aOR 1,06) zu sein.

Gemäßigte Salzzufuhr nicht nur bei Neurodermitis

Die WHO empfiehlt für Erwachsene einen Verzehr von höchstens 5 g Salz pro Tag. In den europäischen Regionen wird jedoch ein Salzkonsum zwischen 8 g und 19 g täglich vermutet – also eine tägliche Natriumaufnahme von etwa 3,2 bis 7,6 g.

Bereits in vergangenen Studien wurde in der Haut gespeichertes Natrium mit einer Immunaktivierung bei Neurodermitis in Verbindung gebracht. Dieser Mechanismus könnte auch den positiven Zusammenhang zwischen Salzaufnahme und AD in dieser Studie erklären, so die Hypothese der Studienautoren. Sicher bleibt jedoch, unabhängig von den Ergebnisse dieser Studie, dass eine gemäßigte Salzzufuhr gesundheitliche Vorteile mit sich bringt – etwa durch Senkung des Blutdrucks.

Quelle

Chiang BM, et al. Sodium Intake and Atopic Dermatitis. JAMA Dermatol 2024:e241544. doi: 10.1001/jamadermatol.2024.1544.