Lösungsmittel, Pestizide oder Haarfärbemittel begünstigen vermutlich die Entstehung von malignen Lymphomen. Auch Tattoos?
Immer mehr Menschen tätowiert
Mehr als 20% der EU-Bürger sind tätowiert, in den USA sind es über 30%. Die meisten Menschen lassen sich bereits im jungen Alter ein Tattoo stechen und sind damit fast ihr ganzes Leben den Farbpigmenten der Tinte ausgesetzt.
Farbige Tinte besteht vorwiegend aus primären aromatischen Aminen, während schwarze Tinte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe enthält. Alle gemeinsam beinhalten zudem Metalle wie Arsen, Chrom, Kobalt, Blei und Nickel. Die meisten dieser Inhaltsstoffe sind von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als kanzerogen eingestuft.
Pigmentierte, vergrößerte Lymphknoten bei Tätowierten
Beim Tätowieren wird die Tinte in die Dermis injiziert, wodurch das Immunsystem aktiviert wird. In klinischen Untersuchungen wurden in diesem Zusammenhang pigmentierte und vergrößerte Lymphknoten bei tätowierten Menschen beobachtet. Immer mehr Evidenz besteht, dass diese Störung des Immunsystems die Entstehung von malignen Melanomen fördern kann.
In einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie aus Schweden wurde nun der Einfluss von Tätowierungen auf das Krebsrisiko untersucht. Eingeschlossen wurden alle Personen im Alter von 20–60 Jahren, bei denen zwischen 2007 und 2017 ein malignes Lymphom neu diagnostiziert wurde. Als Tattoo definiert wurden neben dekorativen Motiven auch kosmetische (Make-Up oder Microblading) und medizinische (Wiederherstellung nach Mastektomie oder Verbrennungen) Anwendungen.
- 11.905 Menschen wurden eingeschlossen. Jeder Teilnehmer der Fallkohorte (n = 2.938) wurde mit drei Teilnehmern der Kontrollkohorte (n = 8.967) nach Alter und Geschlecht gematcht.
- 21% der Fallkohorte und 18% der Kontrollgruppe waren tätowiert.
Erhöhtes Risiko belegt
Die Ergebnisse zeigen, dass ein neues Tattoo insbesondere in den ersten zwei Jahren mit einem erhöhten Risiko für maligne Lymphome einhergeht.
- Die häufigsten Lymphomtypen waren das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (28%), das Hodgkin-Lymphom (21%) und das follikuläre Lymphom (18%).
- Das IRR (incidence rate ratio) lag bei den Tätowierten gegenüber den Nicht-Tätowierten bei 1,21 (95%-Konfidenzintervall [KI] 0,99–1,48). Daraus ergibt sich ein um 21% erhöhtes Lymphomrisiko für die Tätowierten.
- Das Risiko war am größten für Teilnehmer, die sich in den letzten zwei Jahren ihr erstes Tattoo stechen ließen (IRR 1,81; 95%-KI 1,03–3,20). Das Risiko sank mit der Expositionsdauer.
- Löste man die Fall/Kontroll-Matches auf, zeigte sich für Tätowierungen mit schwarzer Tinte ein IRR von 1,32 (95%-KI 1,04–1,68) und für Motive mit schwarzer und farbiger Tinte von 1,11 (95%-KI 0,92–1,35).
Die Studienautoren betonen jedoch, dass aus dieser einzelnen epidemiologische Studie keine Kausalitäten abgeleitet werden können, weitere Untersuchungen müssen folgen.
Laserentfernung erhöht Risiko weiter
Beobachtet wurde eine weitere, drastische Erhöhung des Lymphomrisikos bei Menschen, die sich ihr Tattoo mit einer Laserbehandlung entfernen ließen. Das IRR betrug 2,63 (KI 0,96–7,18). Das weite Konfidenzintervall lässt sich mit der kleinen Kollektivgröße erklären, so die Studienautoren.
Zur Untersuchungen der tatsächlichen Größe des Risikos müssen Untersuchungen anhand größerer Personenkollektiven erfolgen.
Quelle
Nielsen C, et al. Tattoos as a risk factor for malignant lymphoma: a population-based case-control study. EClinicalMedicine 2024;72:102649. Published 2024 May 21. doi:10.1016/j.eclinm.2024.102649
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