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Risiko für Zweittumor bei Brustkrebs-Überlebenden

Trotz vermeintlich erfolgreicher Therapie kommt es bei vielen Krebserkrankungen Monate oder Jahre später zu einer zweiten Erkrankung. Wie häufig eine erneute Erkrankung bei Brustkrebs-Überlebenden auftritt und welche Organe besonders betroffen sind, war die Fragestellung einer aktuellen Kohortenstudie.

Brustkrebs als häufigste Krebserkrankung bei Frauen

Basierend auf Daten aus dem Jahr 2020, ist Brustkrebs mit 30,5% die mit Abstand häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen in Deutschland. Nach erfolgreicher Therapie der Krebserkrankung, beispielsweise durch Strahlen- und Chemotherapien oder operative Maßnahmen, können Patienten oft vorerst aufatmen. Leider kommt es häufiger Monate oder Jahre später zu einer erneuten Krebsdiagnose – beispielsweise in der kontralateralen Brust, aber auch in anderen Organen. In bestehenden Reviews war das Risiko für eine erneute Nicht-Brustkrebserkrankung bei Patienten mit vorheriger Brustkrebs-Diagnose im Vergleich zur übrigen Population um 24% bei Frauen bzw. 27%  bei Männern erhöht. Waren die Krebspatienten jünger als 50 Jahre, so war das Risiko nochmals höher. In einer aktuellen Kohortenstudie aus England wurde die Thematik erneut aufgegriffen und anhand knapp 600.000 Patientendaten untersucht.

Beide Geschlechter betroffen

Die retrospektive Kohortenstudie schloss Daten von 581.403 Frauen und 3562 Männern ein, die in den Jahren 1995 bis 2019 mit invasivem, nicht-metastasierendem Brustkrebs diagnostiziert wurden. 78% der Frauen und 92% der Männer waren zum Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose mindestens 50 Jahre alt. Bei 52.620 Frauen und 504 Männern kam es im Untersuchungszeitraum zu einer erneuten Krebserkrankung. Um Aussagen über das Risiko für einen nachfolgend auftretenden Primärtumor (second primary cancer [SPC]) treffen zu können, wurden die standardisierten Inzidenzraten (SIR) basierend auf Inzidenzen aus England bei unterschiedlichen Stratifizierungen berechnet.

Bei Frauen lag die SIR für einen SPC in der kontralateralen Brust bei 2,02 und außerhalb der Brust bei 1,10. Neben der Brust traten am häufigsten nachfolgende Krebserkrankung des Endometriums, myeloische Leukämien und Ovarialkarzinome auf.

Bei Männern lag die SIR für einen SPC in der kontralateralen Brust bei 55,4 und außerhalb der Brust ebenfalls bei 1,10. Neben der Brust war das Risiko für Krebserkrankungen der Prostata und der Schilddrüse erhöht.

Zweittumoren bei jungen Frauen besonders häufig

Je jünger die Patientinnen zum Zeitpunkt ihrer Brustkrebsdiagnose waren, desto höher war das SPC-Risiko. So lag die kombinierte SIR für Frauen < 50 Jahre bei 1,86 und für Frauen ≥ 50 Jahre bei 1,17. Jüngere Frauen hatten vor allem ein erhöhtes Risiko für Tumoren der kontralateralen Brust (SIR: 3,36 vs. 1,73), der Lunge (SIR: 1,52 vs. 1,02), des Pankreas (SIR: 1,65 vs. 1,15), und der Ovarien (SIR: 1,73 vs. 1,18) sowie für myeloische Leukämie (SIR: 2,26 vs. 1,50). Weiterhin traten SPCs häufiger bei Frauen mit niedrigem sozioökonomischen Status auf. 

Engmaschige Überwachung notwendig

Die Erkenntnisse der Kohortenstudie weisen erneut auf die Bedeutung einer engmaschigen SPC-Überwachung von Brustkrebspatienten hin, auch nach zunächst erfolgreicher Therapie. Insgesamt waren die berechneten SIR-Werte für erneute Krebserkrankungen außerhalb der Brustdrüse in dieser Stude jedoch geringer als in den beiden vorherigen Metaanalysen (1,24 bzw. 1,27 vs. 1,10). Eine Erklärung für das erhöhte SPC-Risiko von Frauen unter 50 Jahren könnte das häufigere Auftreten pathogener Genvarianten in dieser Population sein. So führt das Vorhandensein pathogener BRCA1/2-Varianten beispielsweise häufiger zur Pankreas- oder Eierstockkrebs.

Quelle

Allen I, et al. Risks of second primary cancers among 584,965 female and male breast cancer survivors in England: a 25-year retrospective cohort study. Lancet Reg Health Eur 2024;40:100903. doi: 10.1016/j.lanepe.2024.100903.

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