Nase vorn: Dupilumab bei chronischer Rhinosinusitis

Die Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündungen mit Polypen ist unter Dupilumab erfolgreicher als chirurgische Maßnahmen, so das Ergebnis einer Vergleichsstudie.

Mehrere Therapieoptionen

Eine schwere chronische Rhinosinusitis, verbunden mit Nasenpolypen (CRSwNP) schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Gekennzeichnet ist sie durch entzündliches und hyperplastisches Gewebe in der Nasenhaupthöhle und/oder den Nasennebenhöhlen. Zusätzlich zur eingeschränkten Nasenatmung und einem ständigen Krankheitsgefühl treten Gesichts- und Kopfschmerzen sowie Riechstörungen auf, teilweise gepaart mit Fieber. Die Prävalenz dieser chronischen Erkrankung liegt in Europa bei etwa 10 bis 15 % der Bevölkerung.

Nasenspülungen mit iso- bis leicht hypertonen Salzlösungen können hilfreich sein, dagegen sind abschwellende Nasensprays (Dekongestiva) aufgrund möglicher Nebenwirkungen nicht empfehlenswert. Zur Behandlung stehen als Basismedikation intranasale Glucocorticoide sowie zusätzlich chirurgische und weitere pharmakologische Optionen, etwa Biologika, zur Wahl. Dupilumab ist seit 2019 für Erwachsene mit schwerer chronischer Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen zugelassen.

Biologikum und OP im direkten Vergleich

Eine vergleichende retrospektive Beobachtungsstudie sollte die Behandlung von schwerer chronischer Rhinosinisitis mit Nasenpolypen analysieren. Dabei verglichen die Autoren Dupilumab mit endoskopischer Nasennebenhöhlenchirurgie bei rund 100 Patienten. Alle Patienten erhielten außerdem intranasale Glucocorticoide als Basistherapie. Die Nachbeobachtungszeit betrug ein Jahr. Zur Beurteilung dienten diverse übliche Scores und Skalen sowie der Bedarf an oralen Glucocorticoiden und zytologische Ergebnisse.

Bezüglich der Nasenpolypen schnitt die Operation zwölf Monate nach der Behandlung etwas besser ab. Die Analysen von spezifischer Sekretbildung (Rhinorrhö), Geruchsleistung und sinunasalen Beschwerden jedoch ergaben unter Dupilumab signifikant höhere Effekte. Insbesondere die Riechfunktion erfuhr durch das Biologikum schon ab dem ersten Therapiemonat signifikante Vorteile. Eine lokale Eosinophilie als Zeichen von Entzündungsreaktionen hatten 6,1% der Dupilumab-Behandelten gegenüber 57% der Operierten. Auch der Bedarf an oralen Glucocorticoiden war unter Dupilumab geringer: 16,3% vs. 61%.

Geringere Zusatzmedikation mit Dupilumab

Erfolgreich behandeln lässt sich eine chronische Rhinosinisitis mit Nasenpolypen sowohl mit Dupilumab als auch mit einem chirurgischen Eingriff. Nach einem Jahr waren bei beiden Probandengruppen Verbesserungen zu verzeichnen. Das lokale Entzündungsgeschehen war bei Biologika-Therapie allerdings besser unter Kontrolle. Auch Riechleistung und das subjektive Krankheitsempfinden waren durch Dupilumab stärker verbessert.

Ein weiteres Argument für Dupilumab als Add-on ist die Einsparung zusätzlicher oraler Glucocorticoide. Ob die Operation oder eine Injektion alle zwei Wochen eine größere Belastung für den Patienten darstellt, ist vermutlich individuell unterschiedlich. Intranasale Glucocorticoide stellen jedoch nach wie vor die Basis der Therapie dar und sind bei beiden Optionen weiterhin am Start.

Quelle

De Corso E, Porru DP, Corbò M, Montuori C, et al. Comparative real-world outcomes of dupilumab versus endoscopic sinus surgery in the treatment of severe CRSwNP patients. Clin Otolaryngol. 2024 May 6. doi: 10.1111/coa.14172. Epub ahead of print. PMID: 38711363.