Kinderwunsch und Diabetes mellitus: Geht das zusammen? Bei stabilen Glucosewerten und regelmäßigen ärztlichen Kontrollterminen kein Problem, lautete eine Botschaft im Rahmen des Diabetes Kongress 2024. Auch bezüglich Metformin in der Schwangerschaft gaben die Experten überwiegend grünes Licht.
Nicht abschrecken lassen
Frauen mit Diabetes mellitus zweifeln oft, ob eine Schwangerschaft eine gute Idee ist. Immerhin wurde noch vor wenigen Jahrzehnten zumindest Frauen mit einer Typ-1-Form offiziell abgeraten. Und noch heute treffen Diabetikerinnen mit Kinderwunsch bei Ärzten auf diese Meinung. Im Symposium „Schwangerschaft aus verschiedenen Blickwinkeln“ auf dem Diabetes Kongress 2024 konnten Betroffene und Experten diesbezüglich Ängste nehmen, insbesondere den Frauen, die ungeplant schwanger werden oder noch andere chronische Erkrankungen haben. Denn zu bedenken sei auch: Stress ist kontraproduktiv für stabile Glucosewerte.
Mehr Mut, weniger Angst!“ (Kathi Korn, Berlin, Typ-1-Diabetikerin und dreifache Mutter)
Es gibt zunehmend Schwangere mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Das liegt auch am durchschnittlich gestiegenen Body-Mass-Index (BMI) in der Bevölkerung sowie am generell höheren Lebensalter schwangerer Frauen. Sind die Blutzuckerwerte stabil und nimmt die Diabetikerin regelmäßige Facharztbesuche wahr, ist ein Schwangerschaftsverlauf ohne Komplikationen absolut realistisch.
Gutes Management ist ausschlaggebend
Ein interdisziplinärer Ansatz zwischen Diabetologie und Gynäkologie, gegebenenfalls erweitert um weitere Fachgebiete, ist aus Sicht von Medizinern und Patientinnen eine große Chance. Individuelle Betreuung bei jeder Schwangerschaft ist gefordert. Eine gute Unterstützung bieten die heutigen Insulintherapien und Glucosemesssysteme, etwa AID-Systeme (Automatische Insulin-Dosierung). Zudem sind Informationen über moderne Therapiemöglichkeiten sowie Erfahrungswerte anderer Frauen wertvolle Hilfen. Eine verbesserte Qualitätssicherung bei der Betreuung von Schwangeren und eine gute Kommunikation zwischen den betreuenden Disziplinen sieht auch Dr. med. Heinke Adamczewski, Köln, als einen Schwerpunkt in der Versorgung.
Metformin: Vorteile für Mutter und Kind
Ein häufig diskutiertes Thema ist Metformin in der Schwangerschaft. Eine entsprechende EMA-Zulassung für die Fortführung der Therapie mit dem oralen Antidiabetikum besteht seit März 2022. Sie wird jedoch nur selten umgesetzt, sagte Dr. Adamczewski. Die Leitlinien empfehlen es jedoch nicht routinemäßig für schwangere Typ-2-Diabtikerinnen. Embryotox stuft Metformin als Arzneimittel mit noch unzureichenden oder widersprüchlichen Ergebnissen ein. Oft genannte Risiken bestehen bezüglich eines niedrigen Geburtsgewichts des Babys.
Zahlen aus dem GestDiab, dem größten Register zu Diabetes in der Schwangerschaft in Deutschland, zeigen hier jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen Diabetikerinnen, die Metformin in der Schwangerschaft einnahmen oder dies nicht taten. Auch aktuelle Studienergebnisse mit Typ-2-Diabetikerinnen zeigten keine signifikanten Unterschiede, sowohl bei den kombinierten mütterlichen als auch kindlichen Endpunkten. Die Glucosekontrolle der werdenden Mütter war deutlich besser und der Insulinbedarf erheblich geringer unter Metformin, zudem nahmen die Schwangeren weniger stark zu. Ähnliche Daten gibt es für den Einsatz von Metformin bei Gestationsdiabetes, so die Referentin. Hier bestehe jedoch nach wie vor ein Off-Label-Use.
Die Sicherheit beim Einsatz für Diabetes mellitus Typ 2 und Gestationsdiabetes ist belegt.
Das Geburtsgewicht der Kinder war unter Metformin geringer (13% vs. 7%). Es ergaben sich jedoch Vorteile für das Kind in Form einer signifikant erniedrigten Makrosomie-Rate (Geburtsgewicht oberhalb der 95. Perzentile) und einem geringeren Fettanteil des Körpergewichts. Eine Sekundäranalyse der Studienautoren ergab: Arterielle Hypertonie oder Nephropathie gehen bereits mit dem Risiko für ein geringeres Geburtsgewicht einher, was sich unter Metformingabe verdoppelte. Es sollten also keine Frauen mit Metformin behandelt werden, die eine dieser beiden Erkrankungen aufweisen.
Metformin für Schwangere: Einschränkungen
PD Dr. med. Friederike Weschenfelder, Jena, stellte dem ein erhöhtes Risiko für eine Laktatazidose gegenüber. Zudem zeigten einige Studien erhöhte BMI-Werte bei Kindern, die während der Schwangerschaft Metformin ausgesetzt waren, im Alter von 24 Monaten, insbesondere bei Jungen, sowie für das Alter zwischen 5 und 10 Jahren. Sie empfahl ein Absetzen des Metformins etwa 24 Stunden vor einer geplanten Sectio.
Quelle
Dr. med Heinke Adamczewski, PD Dr. med. Friederike Weschenfelder. „Schwangerschaft und Diabetes mellitus aus verschiedenen Blickwinkeln“. Diabetes Kongress 2024 am 8. Mai 2024.