Menschen mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. In einer klinischen Studie wurde untersucht, wie effektiv bariatrische Operationen bei dieser Patientengruppe sind.
Risikofaktor Adipositas
Heute ist Welt-Adipositas-Tag. Eine Adipositas liegt vor, wenn der Body-Mass-Index (BMI) einer Person ≥ 30 kg/m2 beträgt. Laut Daten des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2022 trifft das in Deutschland auf 19% der Bevölkerung zu. Schon im Jahr 2000 wurde Adipositas von der WHO als chronische Krankheit erkannt. Dennoch werden Menschen mit Adipositas auch fast 25 Jahre später häufig stigmatisiert und die Erkrankung dadurch schambehaftet, was die Behandlungschancen der Betroffenen einschränkt. Adipositas gilt jedoch als Risikofaktor für viele Folgeerkrankungen, darunter Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einige Krebserkrankungen und eine frühzeitige Behandlung ist daher von großer Bedeutung. Therapiemöglichkeiten von Adipositas schließen Anpassungen des Lebensstils, medikamentöse Therapien zur Gewichtsreduktion sowie bariatrische Operationen ein. In einer aktuellen Studie wurde untersucht, wie sich eine bariatrische Operation langfristig auf die glykämische Kontrolle bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit Übergewicht oder Adipositas auswirkt.
Langfristige glykämische Kontrolle durch bariatrische Operation
Die Studie war eine gepoolte Analyse randomisierter klinischer Studien aus vier amerikanischen Zentren. Eingeschlossen wurden 262 Patienten mit einem BMI zwischen 27 und 45 kg/m2 und Typ-2-Diabetes. 68% der Teilnehmer waren Frauen. Die Patienten wurden in zwei Interventionsgruppen randomisiert:
- Gruppe 1: Die Patienten (n=96) erhielten lediglich eine medikamentöse Behandlung bzw. passten ihren Lebensstil entsprechend an. Der durchschnittliche BMI dieser Gruppe betrug 36,2 und der Ausgangs-Hämoglobin(Hb)-A1C-Wert 8,2%.
- Gruppe 2: Die Patienten (n=166) erhielten eine der drei bariatrischen Operationen: Roux-en-Y-Magenbypass, Schlauchgastrektomie oder verstellbares Magenband mit anschließender postoperativer Standardbehandlung (Ernährungs- und Aktivitätsberatung). Der durchschnittliche BMI dieser Gruppe betrug 36,6 und der Ausgangs-HbA1C-Wert 8,7%.
Als primärer Endpunkt galt die Änderung des HbA1C-Werts nach sieben Jahren. Zum primären Endpunkt lag die Änderung des HbA1C-Werts in Gruppe 1 bei 0,2% und in Gruppe 2 bei 1,6% mit einer Gruppendifferenz von –1,4% (95%-Konfidenzintervall –1,8% bis –1,0%; p < 0,001). Die Diabetes-Remission nach sieben Jahren lag bei 6,2% in Gruppe 1 versus 18,2% in Gruppe 2 (p = 0,02). Zwölf Jahre später lag die Remission bei 0,0% versus 12,7% (p < 0,001). Die Erkrankung galt als remittiert, wenn der HbA1C-Wert < 6,5% betrug, bei mindestens drei Monaten ohne Medikation.
Für das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen. In der Gruppe der bariatrischen Operationen kamen jedoch häufiger Frakturen, Anämien und gastrointestinale Ereignisse auf
In der S3-Leitlinie der AWMF „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ aus dem Jahr 2018, die sich derzeit in Überarbeitung befindet, wird eine metabolische Chirurgie erst bei einem BMI von ≥ 40 kg/m2 und koexistierendem Typ-2-Diabetes uneingeschränkt empfohlen. Bei den Patienten der referierten Studie führte der operative Eingriff jedoch auch bei einer Studienpopulation mit einem durchschnittlichen BMI ≤ 40 kg/m2 zu einer signifikant höheren glykämischen Kontrolle und Diabetes-Remission, als die alleinige medikamentöse Behandlung bzw. Anpassung des Lebensstils. Die chirurgische Behandlung ging jedoch auch mit einigen operationsbezogenen unerwünschten Ereignissen einher. Eine patientenindividuelle Abwägung der Therapieform sollte daher im Vordergrund stehen.
Quelle
Courcoulas AP, et al. Long-term outcomes of medical management vs bariatric surgery in type 2 diabetes. JAMA 2024;331:654–64.