Gewichtsverlust und Krebs

Ein Gewichtsverlust innerhalb von zwei Jahren war bei Angehörigen aus Gesundheitsberufen mit einem signifikant erhöhten Krebsrisiko im darauffolgenden Jahr verbunden. Besonders häufig wurden Tumoren des Gastrointestinaltrakts diagnostiziert.

Krebs nach wie vor zweithäufigste Todesursache

Bösartige Neubildungen (Krebs) sind mit 21,7% nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.
Die meisten Krebsdiagnosen erfolgen nach dem Auftreten entsprechender Symptome. Eines davon ist Gewichtsverlust. In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass Gewichtsverlust mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Krebsdiagnose in den nächsten paar Monaten einhergeht.
Unklar ist aber, wie dieser Gewichtverlust festgehalten und definiert wurde.

Unbeabsichtigter Gewichtsverlust und Krebs

Bei unbeabsichtigtem Gewichtsverlust ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die verlorenen Pfunde mit einer bisher unentdeckten Krebserkrankung in Zusammenhang stehen.
In einer prospektiven Kohorte mit mehr als 150.000 Teilnehmern in einem Alter von mindesten 40 Jahren wurde die Rate an Krebsdiagnosen innerhalb von zwölf Monaten nach einem Gewichtsverlust analysiert. Die Daten stammten von Frauen aus der Nurses‘ Health Study (ca. 70%) und Männern aus der Health Professionals Follow-Up Study. Die Studien liefen von 1978 bzw. 1988 bis 2016.
Die Studienteilnehmer mussten alle zwei Jahre ihr Gewicht angeben. Der angestrebte Gewichtsverlust wurde als „hoch“ eingestuft,  wenn sowohl die körperliche Aktivität als auch die Essgewohnheiten zum Positiven im Sinne einer gesünderen Ernährungsweise verändert wurden. Wenn nur eines von beiden verbessert wurde, wurde er als „mittel“ bewertet.
Von insgesamt 1,64 Millionen Personenjahren betrug die Inzidenz der Krebsfälle 964 pro 100.000 Personenjahre.

Erhöhte Krebsrate bei Gewichtsabnahme

Bei den Personen, die mehr als 10% ihres Körpergewichts innerhalb von zwei Jahren verloren hatten, betrug die Krebsinzidenz im darauffolgenden Jahr 1362 pro 100.000 Personenjahre im Vergleich zu 869 Krebsdiagnosen pro 100.000 Personenjahre ohne vorangegangenen Gewichtsverlust. Der Unterschied war signifikant.

Wenn der Gewichtsverlust nicht beabsichtigt war …

Bei Studienteilnehmern, die weder ihre körperliche Aktivität erhöhten noch ihre Essgewohnheiten zum Positiven veränderten und dennoch mehr als 10% ihres Körpergewichts verloren, betrug die Krebsinzidenz 2686 Fälle pro 100.000 Personenjahre im Gegensatz zu 1220 Fällen pro 100.000 Personenjahre bei Personen ohne vorangegangenen Gewichtsverlust (p< 0,001).
Bei Personen über 60 Jahre ergab sich sogar eine 3,2%ige Wahrscheinlichkeit für eine Krebsdiagnose innerhalb von einem Jahr, wenn sie unbeabsichtigt mehr als ein Zehntel ihres Gewichts verloren.

Tumoren des GI-Trakts besonders häufig bei Gewichtsverlust

Krebserkrankungen des oberen Gastrointestinaltrakts (Ösophagus, Magen, Leber, Gallengang und Pankreas) waren bei den Patienten mit einem kürzlichen Gewichtsverlust (>10%) besonders häufig (173 versus 36 Fälle pro 100.000 Personenjahre, p < 0,001). Vor allem, wenn der Gewichtsverlust nicht beabsichtigt war. Auch spielte es keine Rolle, ob die Krebserkrankung im Früh- oder Spätstadium war.

Quelle
Wang Q, et al. Cancer diagnoses after recent weight loss. JAMA. 2024;331(4):318–28.