Bei resistenter Hypertonie wirkt Spironolacton am besten

Manchmal sprechen Patienten mit Bluthochdruck auf die gängigen Therapien nicht an. In einem Vergleich erzielte das Diuretikum Spironolacton in diesen Fällen die besten Ergebnisse. Eine gesunde Lebensführung lohnt sich ebenfalls.

Arzneimittel, OP oder Lifestyle?

Die Behandlungsnotwendigkeit von Bluthochdruck als bedeutender Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall, weitere Herz-Kreislauf- sowie Nierenerkrankungen steht außer Frage. Das „Wie?“ ist weniger klar zu beantworten. Denn obwohl verschiedene pharmakologische, Lebensführungs- und operative Optionen sowie eine unterstützende VersorgungsLeitlinie Hypertonie von 2023 zur Verfügung stehen, sind deren Anwendung nicht immer von Erfolg gekrönt.

Von einer resistenten Hypertonie ist die Rede bei Nichterreichen des Zielblutdrucks trotz tolerierter maximaler Dosierung von drei Antihypertensiva, vorzugsweise RAS-Blocker, Calciumkanalblocker und thiazidartigem Diuretikum. Schätzungsweise weisen etwa 10% der Bluthochdruckpatienten eine „echte“ resistente Hypertonie auf, die nicht in mangelnder Therapietreue oder der Einnahme blutdrucksteigernder Arzneimittel begründet ist.

Platz 1 für Spironolacton

In einer deutschen Netzwerk-Metaanalyse wurden 24 randomisierte Placebo-kontrollierte Studien mit insgesamt 3458 Patienten zu verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei resistenter Hypertonie verglichen. Insgesamt zwölf Behandlungsoptionen stellten die Studienautoren gegenüber, darunter Diuretika (Spironolacton), Alpha-1- und Betablocker, Alpha-2-Rezaptoragonisten sowie Lifestyle-Interventionen, die renale Sympathikusdenervierung (eine Verödung von Nervenbahnen an der Nierenschlagader) und den Barorezeptor-Schrittmacher (das Stimulieren von Nerven an der Halsschlagader).

Zunächst konnten die Studienautoren feststellen: Alle Therapien haben einen positiven Effekt bei therapieresistenter Hypertonie. Am wirksamsten zeigte sich Spironolacton. Der als Diuretikum wirkende Aldosteronantagonist erreichte eine Senkung des systolischen 24-Stunden-Blutdrucks um 8,46 mmHg (95%-Konfidenzintervall [KI] −12,54 bis −4,38).
In der Kategorie der nichtpharmakologischen Optionen waren Lebensstilinterventionen, sprich: ausgewogene und salzarme Ernährung, ausreichende Bewegung, gesundes Körpergewicht und Verzicht auf Nikotin und Alkohol, mit −7,26 mmHg (KI −13,73 bis −0,80) und der Eingriff am Barorezeptor mit −7,0 (KI −18,59 bis 4,59) am effektivsten.

Die Besten kombinieren

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass bei der Auswahl der Therapiemöglichkeiten grundsätzlich die Begleiterkrankungen, Risikoprofile und Präferenzen des jeweiligen Patienten berücksichtigt werden sollten. Vielversprechend sei in den meisten Fällen der Einsatz von Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten wie Spironolacton, die durch die Hemmung des Hormons Aldosteron in der Niere eine gesteigerte Natriumausscheidung und eine Kaliumretention erzielen. Die Empfehlung von Spironolacton bei therapieresistenter Hypertonie findet sich auch im Kapitel 7.3 der aktuellen VersorgungsLeitlinie wieder.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Resümee, dass eine Kombination aus Spironolacton und Lebensstilinterventionen die wirksamste Behandlung für resistenten Bluthochdruck darstellt. Hier könnten neue pharmakologische Entwicklungen zukünftig sogar eine noch bessere Blutdrucksenkung mit einem verbesserten Sicherheitsprofil bieten als Spironolacton. Denn dieser Wirkstoff könne die Kaliumwerte erhöhen, insbesondere in Kombination mit ACE-Hemmern, nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) oder Sartanen. Das stelle für manche Patienten ein Risiko dar und müsse eng überwacht werden.

Quelle

Tian Z, Vollmer Barbosa C, Lang H, Bauersachs J, et al. Efficacy of pharmacological and interventional treatment for resistant hypertension-a network meta-analysis. Cardiovasc Res 2023 Oct 27:cvad165. doi: 10.1093/cvr/cvad165. Epub ahead of print. PMID: 37890022.