RSV verschuldet jährlich zahlreiche Krankenhauseinweisungen bei kleinen Kindern. Der Antikörper Nirsevimab könnte die Zahl der Hospitalisierungen senken.
Viele RSV-Infektionen bei Kleinkindern
Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) machen jeden Winter einen hohen Anteil der Atemwegserkrankungen bei Kindern aus. In der ersten Woche des Jahrs 2024 hatten laut Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) 75% der wegen schweren Atemwegserkrankungen hospitalisierten unter Zweijährigen eine RSV-Diagnose.
Für Kinder mit hohem Risiko für schwere RSV-Infektionen stand bislang eine Prophylaxe mit Palivizumab zur Verfügung. Für gesunde Kinder dagegen war bis vor Kurzem kein Medikament zur Prävention der Erkrankung erhältlich.
Antikörper Nirsevimab für erste RSV-Saison
Nirsevimab ist prinzipiell zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während ihrer ersten RSV-Saison zugelassen. Die Kosten dafür werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen derzeit allerdings nur für Kinder mit einem hohen Risiko für schwere Krankheitsverläufe übernommen.
Auch die aktuelle S2k-Leitlinie „Leitlinie zur Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern“ konzentriert sich auf Risikogruppen (PDF). Es gibt keine Empfehlung für den breiten Einsatz von Nirsevimab bei allen Neugeborenen.
In einer aktuellen Studie aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurde nun jedoch untersucht, ob auch gesunde Kinder vom Einsatz profitieren und sich die Anwendung von Nirsevimab in der Rate der RSV-bedingten Hospitalisierungen niederschlägt.
Niedrigere Hospitalisierungsrate unter Nirsevimab
Eingeschlossen wurden gesunde Kinder, die nach der 29. Schwangerschaftswoche geboren (Früh- und Reifgeborene) und maximal 1 Jahr alt waren und denen die erste RSV-Saison bevorstand. Kinder, die für eine Palivizumab-Gabe infrage kamen, wurden ausgeschlossen, um möglichst viele Kinder zu erreichen, die bisher nicht für eine RSV-Prophylaxe vorgesehen waren.
8058 Kinder nahmen an der Studie teil. 4037 erhielten Nirsevimab, 4021 die „Standardbehandlung“, also keine Intervention. 11 Kinder der Nirsevemab-Gruppe (0,3%) und 60 der Kontrollgruppe (1,5%) mussten wegen einer RSV-Infektion ins Krankenhaus (entspricht einer Nirsevimab-Effektivität von 83,2%; p<0,001). Auch sehr schwere Infektionen kamen in der Nirsevimab-Gruppe seltener vor (0,1% vs. 0,5%). Insgesamt war der Wirkstoff gut verträglich, 2,1% der Nirsevemab-Gruppe zeigte behandlungsbezogene Nebenwirkungen, die aber bis auf einen Fall nicht schwer ausgeprägt waren.
Die Autoren resümieren, dass Nirsevimab das Potenzial hat, die Belastung durch RSV-bedingte Hospitalisierungen bei Kindern zu senken.
Quelle
Drysdale SB, et al. Nirsevimab for Prevention of Hospitalizations Due to RSV in Infants. N Engl J Med 2023;389:2425–35. DOI: 10.1056/NEJMoa2309189