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Als Diabetiker ins Krankenhaus? Besser nicht!

Für Patienten mit Diabetes mellitus steigt das Risiko für Stoffwechselentgleisungen, wenn sie in ein Akutkrankenhaus kommen. Sie erleiden dort regelmäßig unnötigen Schaden.

Diabetes kann so gut behandelt werden, aber im Krankenhaus wird es gefährlich.

Kommt ein Diabetiker ins Krankenhaus … Was wie der Anfang eines Witzes klingt, beschreibt eine hochdramatische Versorgungssituation, erklärte Professor Dr. med. Diana Rubin, Berlin, im Rahmen der 17. Diabetes Herbsttagung.

Etwa 23% der Patienten, die in ein Akutkrankenhaus aufgenommen werden, weisen als Nebendiagnose Diabetes mellitus auf. Etwa drei Millionen Behandlungen in Kliniken betreffen Menschen mit Diabetes.

Entgegen der Meinung von vielen – insbesondere politischen – Stakeholdern ist der Diabetes ein hochrelevantes Problem im Krankenhaus.

Im Gesundheitssystem gewünscht und forciert ist eine ambulante Versorgung von Diabetespatienten. Das klappt auch in der Regel gut, solange keine Akutsituation einen Krankenhausaufenthalt nötig macht. Bricht sich ein Diabetiker das Bein, kann es schwierig werden.

Unnötige Komplikationen

Ein nationales Audit bei hospitalisierten Patienten in England zeigte, dass Menschen mit Diabetes regelmäßig unnötigen Schaden in Akutkrankenhäusern erleiden. Besonders schlecht sei die Perspektive für Menschen mit Typ-1-Diabetes: Einer von 25 erleidet eine diabetische Ketoazidose im Krankenhaus. Das heißt: Es ist wahrscheinlicher, sie im Krankenhaus zu erleben als außerhalb. Jeder fünfte Diabetiker erlebt eine Episode von Hypoglykämie und einer von drei Patienten einen Medikationsfehler.

Akute Erkrankungen verursachen bei Diabetikern häufig Stoffwechselentgleisungen. Zudem erfordern medizinische Maßnahmen im Krankenhaus eine differenzierte Anpassung der antidiabetischen Therapie, zum Beispiel bei Gabe von Hochdosis-Glucocorticoiden oder künstlicher Ernährung.

Alle Krankenhäuser sollten so sicher wie möglich sein für Menschen mit Diabetes. Im Moment sind sie es nicht.

Das Übel liegt in der Struktur

Die notwendigen Maßnahmen bei der Aufnahme von Diabetespatienten im Krankenhaus erfordern spezifisches diabetologisches Fachwissen. Diabetes Units sind jedoch nur (noch) in den wenigsten Kliniken vorhanden. Die zunehmend fehlende Verfügbarkeit von Diabetesexperten in deutschen Akutkrankenhäusern ist im Übrigen auch volkswirtschaftlich hoch relevant: Menschen mit einem entgleisten und nicht adäquat therapierten Diabetes im Krankenhaus weisen eine höhere Rate an Komplikationen auf und haben eine längere Krankenhausverweildauer.

Tagungspräsidentin Rubin betonte die Notwendigkeit von Diabetes Units in Krankenhäusern. Der Rat an Patienten lautete, sich ein zu Hause gut funktionierendes Diabetes-Selbstmanagement nicht aus den Händen nehmen zu lassen. Bei wiederholt auffälligen Messwerten im Krankenhaus sollte unbedingt eine fachliche Expertise eingefordert werden.

Quelle

Professor Dr. med. Diana Rubin. Mit Diabetes im Krankenhaus: die Notwendigkeit von Diabetes Units. Kongress-Pressekonferenz zur 17. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) am 17. November 2023.