Eine Mittelohrinfektion ist einer der Hauptgründe für Antibiotikaverordnungen bei Kindern. Gute vorbeugende Maßnahmen werden also dringend gebraucht. Ansätze sind Xylitol, Probiotika und Impfungen – doch was bringen diese Behandlungen?
Fast jedes Kind erkrankt an Mittelohrentzündung
Akute Mittelohrentzündungen treten vor allem bei kleineren Kindern auf: So erkrankt etwa jedes zweite europäische Kind im 1. Lebensjahr mindestens einmal daran, bis zum 7. Lebensjahr hat statistisch jedes Kind diese Infektion einmal durchgemacht.
Eine Mittelohrentzündung ist einer der häufigsten Gründe für Antibiotikaverordnungen bei Kindern. Gute Präventionsmaßnahmen könnten dazu beitragen, den Antibiotikagebrauch in dieser Altersgruppe zu senken.
Einen gewissen Schutz gegen akute Mittelohrentzündungen bieten Pneumokokken– und Grippeimpfung, allerdings ist der Effekt nicht sehr ausgeprägt. So zeigten verschiedene Studien eine Reduktion um 8 bis 23%.
In zwei aktuellen Studien wurden weitere Maßnahmen getestet, die jedoch nicht sehr vielversprechend waren.
Xylitol
Xylitol oder auch Birkenzucker ist vielen als Zuckeraustauschstoff bekannt. Es gibt jedoch auch Hinweise aus einigen Studien, dass sich der Zuckeralkohol zur Vorbeugung einer akuten Mittelohrinfektion bei Kindern bis 12 Jahre eignet. Die Evidenz wurde jedoch als moderat eingestuft und es ist überdies nicht klar, wie ausgeprägt der Effekt in der Gruppe der Kleinkinder von 1 bis 5 Jahren ist, die von der Erkrankung besonders betroffen ist.
In einer aktuellen kanadischen Studie wurde dementsprechend diese Altersgruppe genauer betrachtet. 250 Kinder erhielten über sechs Monate zweimal täglich entweder Xylitol- oder Sorbitolsirup (=Placebo). Neben akuten Mittelohrinfektionen wurden auch Infekte der oberen Atemwegsinfekte und Kariesfälle – hier wird Xylitol ebenfalls präventiv eingesetzt – erfasst.
In der vorliegenden Studie konnte für keines der Erkrankungsbilder ein Vorteil einer Xylitoleinnahme gezeigt werden. Allerdings war die Studie nicht ausreichend gepowert und weitere Forschung ist notwendig, um den Effekt von Xylitol zur Infektionsprävention besser beurteilen zu können.
Probiotika mit Streptococcus salivarius
Eine Studie mit einem im Krankenhaus selbst hergestellten Streptococcus-salivarius-Spray lieferte Hinweise für einen Schutz vor wiederkehrenden Mittelohrentzündungen nach Antibiotikatherapie. Diese selbst hergestellten Produkte variieren aber in der Zusammensetzung und werden nicht systematisch auf Wirksamkeit und Sicherheit getestet. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass S. salivarius aus kommerziell verfügbaren (für die Mundhygiene vermarkteten) Produkten erfolgreich die Mund- und nasopharyngeale Schleimhaut besiedelt. Dies scheint zu einer Reduktion von Otopathogenen im nasopharyngealen Mikrobiom zu führen ohne dessen Diversität zu beeinflussen. In einer aktuellen Studie sollte dementsprechend getestet werden, ob diese Probiotika auch einer Mittelohrentzündung bei Kindern vorbeugen können.
827 Kinder im durchschnittlichen Alter von 4 Jahren erhielten einmal täglich entweder orale Probiotika mit S. salivarius oder Placebo über sechs Monate. Primärer Endpunkt war der Anteil der Kinder, die innerhalb von sechs Monaten mindestens eine Mittelohrentzündung hatten, die eine antibiotische Behandlung erforderte. Diesbezüglich gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen – es erkrankten 34 Kinder in der Verumgruppe und 24 in der Kontrollgruppe. Auch die Zeit bis zur ersten Mittelohrentzündung seit Beginn der Einnahme war gleich lang.
Quelle
Persaud N, et al. Xylitol for the prevention of acute otitis media episodes in children aged 1–5 years: a randomized controlled trial. Epub ahead of Print. Arch Dis Child 2023;0:1–4. doi:10.1136/archdischild-2023-325565.
Sarlin S, et al. Streptococcus salivarius Probiotics to Prevent Acute Otitis Media in Children – A Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open. 2023;6(11):e2340608. doi:10.1001/jamanetworkopen.2023.40608.