Streptokokken-Impfung in der Schwangerschaft

B-Streptokokken können schwere Infektionen bei Neugeborenen verursachen. Eine Präventionsmöglichkeit ist eine antibiotische Behandlung der Mutter während der Geburt. Aktuell in Prüfung befindet sich ein Impfstoff, der in der Schwangerschaft verabreicht werden kann.

Streptokokken-Infektion bei Neugeborenen

Streptokokken der Gruppe B (GBS) sind eine der häufigsten Ursachen für schwere Infektionen bei Neugeborenen. Dies sind in erster Linie Sepsis, Lungenentzündung oder Meningitis mit ggf. tödlichem Ausgang. Anstecken können sich Neugeborene unter der Geburt, wenn die Mutter mit B-Streptokokken besiedelt ist.

Es wird zwischen einer frühen Form (Early-Onset, bis sieben Tage nach der Geburt) und einer späten Form (Late-Onset, bis drei Monate nach der Geburt) unterschieden. Insgesamt ist die Infektion sehr selten, aber mit einer Letalität von etwa 4% verbunden. Risikofaktoren sind Frühgeburten mit niedrigem Geburtsgewicht, lange Geburtsdauer, vorzeitiger Blasensprung (mehr als 12 Stunden vor der Geburt), schwerwiegende Veränderungen der kindlichen Herzfrequenz in der Eröffnungsphase und Schwangerschaftsdiabetes.

Der Erreger wird bei 10% bis 30% der Schwangeren im Bereich der Vagina und/oder des Anus nachgewiesen. Neuere Zahlen aus Deutschland geben eine GBS-Besiedlungsrate von durchschnittlich 16% an. GBS verursachen bei Frauen in der Regel keine Beschwerden und stellt für die Schwangere selbst kein Risiko dar.

Vorbeugung der Neugeborenen-Infektion

Antibiotika-Prophylaxe

In verschiedenen internationalen Leitlinien wird ein Test auf B-Streptokokken in der 35. und 37. Schwangerschaftswoche empfohlen (Abstrich von Vagina und Anus). Bei infizierten Frauen soll dann eine Antibiotika-Behandlung zur Geburt erfolgen.

Andere Länder verfolgen ein risikobasiertes Management ohne Test. Insgesamt ist der Nutzen des Tests nicht geklärt: Da bei Weitem nicht bei allen infizierten Frauen Erreger auf das Baby übertragen werden, könnte der Test dazu führen, dass viele Frauen unnötigerweise Antibiotika erhalten.

Die Antibiotika-Prophylaxe ist überdies nur bei der frühen Form wirksam, die etwa 60% der Fälle ausmacht. Zu Vorbeugung der späten Form sind neue Strategien vonnöten.

Aktuell in Prüfung: Mütterliche Impfung

Ein Ansatz, beide Formen der GBS-Infektion bei Neugeborenen zu verhindern, ist die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft. Zudem würde so der Antibiotikagebrauch reduziert und möglichen Resistenzen vorgebeugt sowie negative Einflüsse der Antibiotikagabe auf die Entwicklung des Mikrobioms beim Kind verhindert.

Erste Ergebnisse einer aktuellen, noch laufenden Phase-II-Studie mit Schwangeren zeigen, dass der getestete Impfstoff in verschiedenen Dosierungen bei einmaliger Anwendung die Bildung von Antikörpern gegen B-Streptokokken bewirkt. Diese wurden in einem Ausmaß auf die Kinder übertragen, das mit einem reduzierten Risiko für invasive GBS-Infektionen verbunden wird. Je nach GBS-Serotyp erreichten 57 bis 97% der Kinder Antikörperspiegel, die mit einer 75%igen Risikoreduktion bei der Geburt verbunden waren.

Weitere Studien sind jedoch nötig, um diese Ergebnisse abzusichern.

Quelle

Madhi SA, et al. Potential for Maternally Administered Vaccine for Infant Group B Streptococcus. N Engl J Med 2023;389:215-27. DOI: 10.1056/NEJMoa2116045