Hoher Blutzucker ist nicht immer Diabetes

Nicht immer steckt Diabetes hinter hohen Glucosewerten. Andere Hormonstörungen sind weitere mögliche Ursachen.

Diabetogene Hormone im Blick

Bei dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegeln an Diabetes mellitus zu denken, ist durchaus richtig, denn über 90 % der Fälle sind genau hierauf zurückzuführen – häufig ein Typ-2-Diabetes, seltener die Typ-1-Variante. „Eine Hyperglykämie kann jedoch auch bei verschiedenen anderen Hormonstörungen auftreten“, machte Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Hamburg, auf einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) aufmerksam.

Als mögliche Kandidaten nannte der Mediensprecher der DGE die Akromegalie, das Cushing-Syndrom und Phäochromozytome, hormonell aktive Tumoren des Nebennierenmarks oder der sympathischen Paraganglien. Nicht nur durch das Symptom Hyperglykämie können dabei schwere gesundheitliche Folgen entstehen, beispielsweise steigt das Risiko für Gefäßschäden, Osteoporose, Darmpolypen oder Schlaganfall und Herzinfarkt.

Auf weitere Hinweise achten

Wenn der Körper unphysiologisch hohe Konzentrationen von Adrenalin, Cortisol, Glucagon oder Wachstumshormonen ausschüttet, ist die Zuckerkrankheit dann Folge anderer Hormonimbalancen als bei Diabetes mellitus. Da diese Erkrankungen viel seltener vorkommen, werden sie leicht übersehen und oft jahrelang nicht entsprechend behandelt.

Erkrankungen des Hormonsystems sind zwar seltene Ursachen einer Hyperglykämie – aufgrund ihrer Schwere sollte bei der Abklärung eines Diabetes mellitus aber auch an sie gedacht werden.

Gesellen sich zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel Symptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen und Schweißausbrüche hinzu, meist verbunden mit Bluthochdruck, können sie ein Hinweis auf Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) sein. Bei Bluthochdruck, plötzlich zu engen Ringen und Schuhen, Zahnlücken und Gelenks- und Knochenschmerzen liegt möglicherweise ein Überschuss des Wachstumshormons, eine sogenannte Akromegalie, vor. Auch zu viel Cortisol, ob durch Glucocorticoid-Präparate oder eine gesteigerte Ausschüttung, erzeugt eine Hyperglykämie. Begleitend treten dann eine Adipositas des Rumpfes, Muskel- und Knochenschwund sowie Bluthochdruck auf. Beim Cushing-Syndrom treten Hautveränderungen auf, die an Schwangerschaftsstreifen erinnern.

Eine untypische Hyperglykämie sowie ein schwer einstellbarer Diabetes oder Hypertonus geben Anzeichen für eine genauere Ursachenforschung. Oft ist der Diabetes dann nur ein Symptom.

Quelle

Professor Dr. med. Stephan Petersenn, Hamburg. Erhöhter Blutzuckerspiegel? Nicht immer steckt Diabetes dahinter. An welche Hormonstörungen man auch denken sollte. 5. gemeinsame Online-Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE). 19. Juli 2023.