Diabetes mellitus Typ 1: Sotagliflozin zeigt vielversprechende Ergebnisse

Der SGLT(Natrium/Glucose-Kotransporter)1/2-Hemmer Sotagliflozin senkte in einer Studie bei Typ-1-Diabetikern in Kombination mit Insulin den HbA1c, reduzierte das Körpergewicht, den Blutdruck und die täglich notwendige Insulin-Dosis. Doch es traten auch vermehrt diabetische Ketoazidosen auf.

Inzidienz des juvenilen Diabetes mellitus steigt

Weltweit haben etwa 29 Millionen Menschen Typ-1-Diabetes mellitus – Inzidenz steigend. Zur Therapie sind in Europa bislang nur Humaninsulin sowie Insulinanaloga zugelassen. Metformin, Liraglutid oder Sitagliptin zeigten bei Typ-1-Diabetikern bislang eher unbefriedigende Ergebnisse.

Ein HbA1c < 7 ist bisher nur durch Anpassung des Lebensstils und obligate Insulin-Anwendung zu erreichen. Den Zielwert erreichen jedoch längst nicht alle Patienten.

Sotagliflozin hemmt SGLT1 und SGLT2

Prinzipell kommen für Typ-1-Diabetiker zur Therapie auch Inhibitoren des Natrium/Glucose-Kotransporters Typ 2 (SGLT2) infrage. Sie sind jedoch in dieser Indikation bislang nicht zugelassen.

Sotagliflozin hemmt nicht nur den hauptsächlich in der Niere exprimierten SGLT2, sondern in relevantem Ausmaß auch SGLT1. SGLT1 wird vor allem im Magen-Darm-Trakt exprimiert und ist wichtig für die Absorption von Glucose aus der Nahrung. Eine Hemmung des Kotransporters führt zu reduzierten und verzögerten postprandialen Glucosespiegeln.

Sotagliflozin senkt HbA1c-Wert

In die randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Phase-III-Studie inTandem3 wurden 1402 Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 1 eingeschlossen. SGLT2-Hemmer durften mindestens acht Wochen vor dem Einschluss nicht verwendet worden sein.

Die Teilnehmer der Studie erhielten über 24 Wochen 400 mg Sotagliflozin oder Placebo zusätzlich zur Insulin-Therapie. Der primäre Endpunkt war ein HbA1c-Wert < 7 % nach 24 Wochen ohne Episoden schwerer Hypoglykämien oder diabetischer Ketoazidose.

Den primären Endpunkt erreichten

  • 200 von 699 Patienten (28,6 %) unter Sotagliflozin
  • 107 von 703 Patienten (15,2 %) unter Placebo

Die Art der Applikation des verwendeten Insulins (Pen oder Pumpe) spielte keine Rolle. Der Unterschied von 13,4 Prozentpunkten war signifikant (p < 0,001).

Das Körpergewicht konnte nach 24 Wochen unter Sotagliflozin stärker reduziert werden als unter Placebo (Unterschied: –2,98 kg; p < 0,001). Bei hypertensiven Patienten (Systole > 130 mm Hg) war nach 16 Wochen der systolische Blutdruck im Mittel um 3,5 mm Hg niedriger (p = 0,002).

Leichte Hypoglykämien (< 55 mg/dl) traten seltener, schwere Hypoglykämien etwas häufiger unter Sotagliflozin als unter Placebo auf.

Die Rate unerwünschter Arzneimittelwirkungen war in beiden Armen ähnlich (55,1 % vs. 52,5 %). Unter Sotagliflozin traten mehr gastrointestinale Nebenwirkungen (4,1 % vs. 2,3 %), Genitalmykosen (6,4 % vs. 2,1 %) oder Ketoazidosen (8,6 % vs. 2,4 %) auf. Schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen waren unter Sotagliflozin häufiger als unter Placebo und führten zu einer höheren Abbruchrate (6,3 % vs. 2,3 %).

Langzeitstudien nötig

Sotagliflozin senkte bei Typ-1-Diabetikern in Kombination mit Insulin den HbA1c, reduzierte Körpergewicht, Blutdruck und die täglich notwendige Insulin-Dosis. Schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen sowie diabetische Ketoazidosen traten unter Sotagliflozin jedoch häufiger auf. Es werden länger andauernde Studien durchgeführt werden müssen, um Langzeiteffekte, weitere Nebenwirkungen und harte Endpunkte wie kardiovaskuläre Ereignisse und Sterblichkeit zu bestimmen.

Quelle

Garg SK, et al. Effects of sotagliflozin added to insulin in patients with type 1 diabetes. N Engl J Med 2017;377:2337–48.

Zulassung beantragt

Der Hersteller hat die Zulassung von Sotagliflozin für Europa beantragt.

In eigener Sache

Eine ausführliche Vorstellung der Studie aus dem New England Journal of Medicine finden Abonnenten der Arzneimitteltherapie in der Ausgabe 5 der AMT, die am 27. April 2018 erscheint.

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