Tabakerhitzer: Alles nur heiße Luft?

Tabakerhitzer und E-Zigaretten zeigen gegenüber konventionellen Zigaretten in den bisherigen Untersuchungen eine deutlich reduzierte Emissionsbelastung für den Raucher. Trotzdem sind sie nicht unbedingt ein Fortschritt für die Gesundheit der Bevölkerung.

Philip Morris International vertreibt mit IQOS seit 2016 das erste Tabakerhitzer-System auf dem deutschen Markt. Das neue Gerät erhitzt im Gegensatz zu E-Zigaretten keine flüssige Mischung, sondern Tabak auf 250 bis 350°C.

Unabhängige Untersuchungen

Seit Oktober 2017 führt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unabhängige Untersuchungen zu den Emissionen durch. Die vorläufigen Ergebnisse wurden im Dezember auf der 15. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg vorgestellt. Die bisher untersuchten Substanzen wurden gegenüber handelsüblichen Zigaretten in geringerem Umfang emittiert:

  • Carbonylverbindungen (Formaldehyd, Acetaldehyd): reduziert um 80 bis 90%
  • Leicht flüchtige organische Substanzen (Benzol, Butadien): reduziert um 90 bis 99%

Das BfR setzt seine Untersuchungen fort, zum Beispiel auf polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe und tabakspezifische Nitrosamine.

Tabakerhitzer
Das BfR führt Untersuchungen zu den Emissionen von Tabakerhitzern durch [Foto: naka/stock.adobe.com]
Strittig ist die Frage, was als Vergleich für die Emission von Tabakerhitzern herangezogen werden sollte. Einige Studien nutzen Referenzzigaretten, andere handelsübliche Marken. Entsprechend schwer fallen der Vergleich der Ergebnisse und die Einschätzung, ob bei E-Zigaretten oder Tabakerhitzern mehr schädliche Emissionen entstehen.

Die Ergebnisse des BfR decken sich auch mit den Ergebnissen anderer unabhängiger Forschungsgruppen. Allerdings könnten Tabakerhitzer Abbauprodukte generieren, die typischerweise nicht im Tabakrauch enthalten sind und bisher auch nicht untersucht wurden. Ohne Frage werden mutagene Substanzen freigesetzt.

Wo Rauch ist, muss kein Feuer sein

Die wissenschaftliche Diskussion scheint sich besonders an einem Reibungspunkt zu entzünden: Aerosol oder Rauch? Aus medizinischer Sicht ist diese Frage wahrscheinlich zweitrangig. Allerdings könnte es eine Rolle spielen, um das Rauchverbot (z.B. in Gaststätten) mit Tabakerhitzern zu umgehen.

Sind sie noch asozial oder verdampfen Sie schon?

Während einer der frühesten Helden meiner Kindheit – Lucky Luke – nicht nur seinen Colt qualmen ließ, ist ein rauchendes Kindervorbild mittlerweile undenkbar. Heute werden Raucher mit Vorwürfen konfrontiert: Sie seien im Schnitt weniger gebildet oder gehörten zu einer sozial schwächeren Schicht. Nicht immer schön, aber aus medizinischer Sicht ist es günstig, dass das Rauchen an den sozialen Rand gedrängt und weniger positiv belegt wird.
Sollte mich ein Raucher fragen: „elektronisch oder normal?“, würde ich immer zu den neuen Optionen raten. Allerdings ist das Rauchen nun wieder deutlich salonfähiger geworden. Ich befürchte, dass die erzielten Erfolge verpuffen und ein rauchfreies Deutschland damit in weite Ferne rückt. Ein Grund hierfür ist die technische Spielerei der neuen Geräte, die ähnlich wie Smartphones gerade Jüngere anspricht. Auf keinen Fall dürfen falschen Gesundheitsversprechen gemacht werden. Es handelt sich bei E-Zigaretten und Tabakerhitzern um mutagene Genussmittel und in keiner Weise um zur Entwöhnung zugelassene und ausreichend erprobte Arzneimittel, bei denen Nebenwirkungen in Kauf genommen werden können. Dementsprechend werden E-Zigaretten von der Deutschen Atemwegsliga auch nicht zur Entwöhnung empfohlen.

 

2 Kommentare zu „Tabakerhitzer: Alles nur heiße Luft?“

  1. In der E-Zigaretten-Diskussion werden meist nur die Substanzen, die durch den Verbrennungsprozess des Tabaks entstehen, diskutiert. Was ist mit dem Nikotin? Das steigernt den Bludtdruck und erhöft das Thromboserisiko. Nikotin ist eine der am stärksten abhängig-machendenen Wirkstoffe. Rauchen und Gesundheit bleibt für mich ein Widerspruch.

Kommentar verfassen