Glutenfrei, lactosefrei, sinnfrei?

Laut Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse geben 7 % der Deutschen an, an einer Lactoseunverträglichkeit zu leiden, fast doppelt so viele wie vor drei Jahren. Liegt das an der erhöhten medialen Präsenz oder an besseren Diagnosemöglichkeiten?

Nahrungsmittelunvertraeglichkeiten
Foto: emer1940/iStock

Buchtitel wie „Weizenwampe“ oder „Dumm wie Brot“ propagieren den Verzicht auf Weizen oder glutenhaltige Produkte auch bei Personen, die nicht unter Zöliakie leiden. In der Laienpresse, aber auch medizinischen Fachwelt, wurde dem Speicherprotein zugeschrieben, dass es das Risiko für Übergewicht, metabolisches Syndrom oder kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen soll. Zum schlechten Ruf trägt zusätzlich bei, dass glutenhaltige Nahrungsmittel häufig einen hohen glykämischen Index haben und deshalb mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht werden.

Keine generelle Kampfansage

Eine generelle Kampfansage gegenüber Gluten als vermeintlich krankmachendes Agens sollte aber nicht erfolgen.

In einer aktuellen prospektiven Kohortenstudie mit über 100 000 Teilnehmern aus der Nurses Health Study und der Health Professionals Follow-up Study konnte ein negativer Einfluss von Gluten auf das kardiovaskuläre Risiko nicht bestätigt werden. Im Gegenteil: Die Gruppe mit der höchsten Glutenaufnahme hatte, nach Adjustierung für bekannte Risikofaktoren (Rauchen, Übergewicht etc.), kein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer koronaren Herzerkrankung im Vergleich zu der Gruppe mit der niedrigsten Glutenaufnahme. Wurde dann noch eine Adjustierung für raffinierte Getreideprodukte vorgenommen, dann war ein hoher Glutenkonsum sogar mit einem niedrigeren Risiko für eine koronare Herzerkrankung verbunden (Hazard Ratio 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,77–0,93; p = 0,002).

Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass mit einer reduzierten Glutenaufnahme auch ein reduzierter Konsum von Vollkornprodukten einhergeht. Diese sind wiederum reich an B-Vitaminen, Vitamin E, Ballaststoffen, Zink und Eisen und können Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko haben. Für die Herstellung glutenfreier Produkte werden häufig Verdickungsmittel wie Johannisbrotkernmehl oder Guarkernmehl zugesetzt, die wiederum das Potenzial haben, Allergien auszulösen.

In der Februar-Ausgabe der Medizinischen Monatsschrift für Pharmazeuten wird Professor Martin Smollich auf die Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität eingehen. Diese Intoleranz gegenüber Weizenbestandteilen ist klar von der Zöliakie abzugrenzen.

Im  MMP-Webinar „Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ mit Prof. Martin Smollich erfahren Sie mehr zu weiteren Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Warum werden diese immer häufiger und welche Möglichkeiten der Ernährungs- und Arzneimitteltherapie stehen den Betroffenen zur Verfügung? Gibt es Unverträglichkeiten, die in Zukunft besonders relevant werden?

Das Webinar findet am Dienstag, den 6. Februar 2018 von 20 bis 21 Uhr statt und ist mit einem Fortbildungspunkt akkreditiert.

Anmelden können Sie sich kostenlos per E-Mail an webinar@mmp-online.de oder hier.

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