Bluthochdruck: Welche Empfehlungen gelten für Deutschland?

Soll man seinen Blutdruck tatsächlich unter 120 mmHg senken? Das impliziert zumindest die viel diskutierte SPRINT-Studie. Bei genauem Hinsehen unterschieden sich die deutschen Empfehlungen gar nicht so sehr von den amerikanischen. Es kommt auch auf die Messmethode an.

Als die US-amerikanische Fachgesellschaft für Kardiologie (AHA) im November 2017 ihre neue Leitlinie zur Prävention, Erkennung, Bewertung und Behandlung von Bluthochdruck bei Erwachsenen herausbrachte und die Grenzwerte für Bluthochdruck auf 130/80 mmHg herabsetzte, war das ein Renner in den Nachrichten: „Amerika wird zur Nation der Hochdruckkranken“ schrieb die FAZ, „Millionen Kranke durch neue Grenzwerte“ titelte die Westdeutsche Zeitung. Würden die Deutschen nachziehen?

Die Deutsche Herzstiftung e.V. hat nun mit einer Pressemitteilung reagiert. Sieht man genau hin, sind die Unterschiede zwischen den neuen Empfehlungen der Amerikaner und dem Vorgehen in Deutschland nämlich gar nicht so groß. Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung sagte dazu in der Pressemitteilung:

„Schon heute sollten Menschen mit einem Blutdruck über 140/90 mmHg medikamentös behandelt werden, wenn eine Lebensstiländerung den Blutdruck nicht ausreichend senkt.“

Zum Tragen kommt die neue US-Definition bei Werten 130/80 bis 139/89 mmHg. In Deutschland hat man hier noch keinen Bluthochdruck, sondern einen „hoch-normalen“ Blutdruck. Die Empfehlung für diese Gruppe lautet:

  • einen gesunden Lebensstil führen mit optimalem Gewicht, salzarmer Ernährung und „Mittelmeerküche“, ausreichend Bewegung und Stressreduktion

Arzneimittel zur Blutdrucksenkung: Wann sind sie angezeigt?

Die Amerikaner raten Patienten mit einem Blutdruck ≥130/80 mmHg zu einer medikamentösen Therapie, wenn sie schon eine Herzerkrankung haben oder bereits einen Schlaganfall erlitten hatten. Diese Empfehlung gilt laut Schunkert auch schon heute bei uns. Betroffen sind jedoch vergleichsweise wenige Patienten.

Die Messung macht’s: Praxisstress der Patienten berücksichtigen

Die US-Fachgesellschaften stützen ihre Empfehlungen auf die SPRINT-Studie. Demnach sind Hochrisiko-Patienten mit einem Blutdruck um 120 mmHg für den oberen Wert langfristig besser dran – mit einem geringeren Risiko für einen Schlaganfall oder Tod. Die Art der Blutdruckmessung unter den Studienbedingungen weicht jedoch deutlich von den Messbedingungen in einer Arztpraxis ab: In der SPRINT-Studie wurden die Studienteilnehmer alleine in einem Raum gelassen. Nach 10 bis 15 Minuten startete eine automatische Blutdruckmessung. Die Patienten hatten also keinen üblichen „Praxisstress“. Die Deutsche Herzstiftung sagt daher, dass bei einer Messung in der Hausarztpraxis 5 bis 10 mmHg abgezogen werden müssten. Bezieht man die unterschiedlichen Messmethoden für den Blutdruck mit in die Betrachtung ein, werden die Unterschiede zwischen den amerikanischen und europäischen Empfehlungen deutlich geringer.

Bei einem gut eingestellten Blutdruck besteht laut Deutscher Herzstiftung derzeit kein zusätzlicher Handlungsbedarf.

Klassifikation des in der Arztpraxis gemessenen Bluthochdrucks © Deutsche Herzstiftung e.V. 2017
© Deutsche Herzstiftung e.V. 2017

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