Hohe Abbruchrate bei Adipositas-Therapie mit Semaglutid

Viele Patienten brechen eine Therapie mit Semaglutid innerhalb eines Jahres wieder ab. Ein Grund sind möglicherweise die hohen Kosten, die die Patienten selbst tragen müssen.

Langzeittherapie für langfristigen Erfolg

Daten legen nahe, dass für eine langfristige Gewichtsreduktion unter Semaglutid eine Langzeittherapie mit dem GLP1-Agonisten notwendig ist. Die Frage ist, wie viele Patienten dieses Durchhaltevermögen haben.

Eine dänische Kohortenstudie sollte darüber nun Auskunft geben, wie viele Anwender die Behandlung abbrechen. Dafür wurden Registerdaten von insgesamt 157.822 erwachsenen Patienten ausgewertet, die zwischen Dezember 2022 und November 2024 eine Semaglutid-Behandlung begonnen hatten. Es wurden nur adipöse Patienten ohne Diabetes einbezogen.

Als Abbruch wurde definiert, wenn nach Aufbrauchen der letzten Verschreibung (geschätzt anhand des Verordnungsdatums) innerhalb von 60 Tagen kein neues Rezept eingelöst wurde. Diese Frist solle sicherstellen, dass kurzfristige Abweichungen von der verordneten Therapie (Unterdosierungen, vergessene Dosen) nicht als Abbruch gewertet wurden.

Die Hälfte bricht Therapie ab

Knapp 70% der 157.822 eingeschlossenen Patienten waren Frauen, das mediane Alter betrug 49 Jahre. 77.483 – also knapp die Hälfte – davon brachen die Behandlung innerhalb eines Jahres ab. Dies entspricht einem 12-Monats-Risiko von 49%. 13% hatten schon nach drei Monaten aufgegeben, ein gutes Viertel nach sechs Monaten und 39% nach neuen Monaten.

Es gab keine Subgruppe, die als besonders therapietreu hervorstach (Risiko für Abbruch in allen Gruppen höher als 41%). Ein erhöhtes relatives Risiko für einen Abbruch bestand bei jüngeren Patienten (18–29 Jahre vs. 45–59 Jahre), Männern gegenüber Frauen oder Menschen, die in einkommensschwächeren Regionen leben im Vergleich zu Personen in einkommensstärkeren Regionen.

Einige Erkrankungen oder Vormedikationen waren ebenfalls mit einem leicht erhöhten Risiko verbunden, die Semaglutid-Anwendung zu beenden:

  • Behandlung mit Arzneimitteln bei gastrointestinalen oder psychiatrischen Erkrankungen
  • Metabolisches Syndrom
  • Prädiabetes
  • Vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Nierenkrankheit
  • Menschen mit hoher Komorbidität

Immerhin ein Viertel der Betroffenen nahm die Therapie innerhalb von drei Monaten wieder auf, einige wenige wechselten den Wirkstoff. So stiegen 1,4% auf Liraglutid um und 0,7% auf Tirzepatid, dass kurz vor Ende des Studienzeitraums im dänischen Markt eingeführt wurde.

Hohe Kosten als Ursache?

Gründe für den Therapieabbruch sehen die Studienautoren unter anderem in den hohen Kosten. In Dänemark gilt das Gleiche wie in Deutschland: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten von GLP-1-Agonisten bei Adipositas in der Regel nicht. In Dänemark sind es je nach Dosierung etwa 2200 bis 3700 Euro pro Jahr, in Deutschland laut Schätzung der AOK etwa 4000 Euro pro Jahr.

Ein weiterer Aspekt sind mögliche Nebenwirkungen. Es treten häufig gastrointestinale Beschwerden auf, die belastend sein können – insbesondere für entsprechend vorbelastete Patienten. Auch psychische Erkrankungen sind häufig ein Risiko für eine schlechte Adhärenz, so die Autoren.

Stärke der Studie ist, dass es sich um eine große, landesweite Stichprobe aller Personen handelt, die in Dänemark eine Semaglutid-Therapie bekommen. Schwäche ist das Fehlen bestimmter Daten wie BMI oder Angaben zu Einkommen und Versicherungsschutz. Zudem lagen keine Daten zur Gewichtsabnahme nach Therapiebeginn vor. Überdies lassen sich die Ergebnisse möglicherweise nicht uneingeschränkt auf andere Länder übertragen.

Zumindest der Kostenfaktor dürfte auch in Deutschland eine Rolle spielen. Die Therapiekosten werden auch hier nicht von den Krankenkassen getragen. Adipositas ist mit einem erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Arzneimittel wie Semaglutid können nicht nur eine Gewichtsreduktion bewirken. Für einige Wirkstoffe und für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen ist auch ein Schutz vor schweren Folgeerkrankungen belegt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert deshalb zumindest eine Kostenübernahme für Menschen mit hohem gesundheitlichem Risiko.

Quelle

Mailhac A, et al. Discontinuation of Semaglutide Therapy for Obesity Management. JAMA Network Open. 2026;9(8):e2631371. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.31371

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