Antihistaminika bei Neurodermitis

Juckreiz ist für Neurodermitiker ein häufiger Begleiter. Können Antihistaminika dieses Symptom lindern und die Lebensqualität verbessern?

Quälender Juckreiz, eingeschränkte Lebensqualität

In Deutschland leiden etwa 13% aller Kinder zumindest zeitweilig unter Neurodermitis (atopischer Dermatitis). Bei Erwachsenen tritt die Erkrankung mit einer Einjahresprävalenz von 1,7% nicht mehr so häufig auf. Charakteristisch ist der starke, bisweilen unerträgliche Juckreiz, der neben weiteren Symptomen die Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann. Auch verminderte Schul- und Arbeitsleistungen, sozialer Rückzug oder Depressionen können in schweren Fällen die Folge sein.

Eine Therapie mit Antiallergika scheint naheliegend. Daher wurde in einem aktuellen systematischen Review mit Metaanalyse die Wirkung von H1-Antihistaminika der ersten und zweiten Generation, H2-Rezeptorantagonisten und Mastzellstabilisatoren untersucht.

Überschaubarer Effekt ohne Relevanz

Eingeschlossen wurden 6230 Kinder und Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis aus 47 Studien. Für die H1-Antihistaminika der zweiten Generation zeigte sich im Vergleich mit Placebo ein statistisch messbarer Effekt auf den Schweregrad der atopischen Dermatitis sowie den Juckreiz. Dieser war allerdings so gering, dass er unterhalb anerkannter Werte für eine klinische Relevanz liegt, so die Autoren. Für diese Analyse wurden nur die Studien mit geringem Bias-Risiko einbezogen.

Der Einfluss auf die Lebensqualität wurde in lediglich einer Studie mit 40 Teilnehmern untersucht, in der sich ein minimaler Vorteil für eine Therapie mit Levocetirizin zeigte. In 13 Studien konnte ebenfalls keine Reduktion der Exazerbationen unter Antihistaminika festgestellt werden.

Überdies bestand für die H1-Antihistaminika der ersten Generation das Risiko für eine kognitive Beeinträchtig sowie Abbruch der Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen.

Keine geeignete Behandlung für Neurodermitiker

Die Autoren resümieren aus diesen Ergebnissen, dass sich die Therapie mit Antihistaminika bei Neurodermitis nicht empfiehlt. Die positiven Effekte sind lediglich statistisch messbar, während Nebenwirkungen so ausgeprägt sein können, dass sie zum Behandlungsabbruch führen können.

Quelle

Chu AWL, et al. Antihistamines for atopic dermatitis (eczema): systematic review and network meta-analysis of randomised trials. BMJ. 2026:394:e100163. doi: 10.1136/bmj-2026-100163.

Bildquelle: ryanking999 – stock.adobe