Ob geraucht, gedampft oder anders konsumiert: Nikotin beeinflusst das Herz-Kreislauf-System. Eine kürzlich in „Nature Reviews Cardiology“ erschienene Übersichtsarbeit belegt diese Wirkung, weist aber gleichzeitig auf unterschiedliche Ausprägungen hin.
Tabak- und Nikotinkonsum unter den führenden vermeidbaren Todesursachen
Etwa jeder Fünfte in Deutschland raucht, fast jeder Zehnte konsumiert E-Zigaretten. Während der Zigarettenkonsum rückläufig ist, expandiert der Markt für E-Zigaretten, erhitzbare Tabakprodukte und orale Nikotinprodukte. Kritisch ist vor allem der E-Zigarettenkonsum bei Jugendlichen zu sehen: Hochpotente E-Zigaretten fördern eine rasche Nikotinabhängigkeit und chronische Konsummuster.
Die exakte Bestimmung der durch Rauchen und Nikotinkonsum verursachten Todesfälle ist komplex. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge starben im Jahr 2024 mehr als 80.000 Menschen in Deutschland an raucherspezifischen Erkrankungen wie chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder Krebs. Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht in seinen Hochrechnungen von mehr als 130.000 durch Rauchen bedingten Todesfällen im Jahr 2023 aus. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls unmittelbar auf das Rauchen zurückgeführt werden: Nikotin erhöht das Risiko für Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Thrombosen. Doch macht es einen Unterschied, wie das Nikotin konsumiert wird?
Nikotin schädigt unabhängig von der Darreichungsform
Um ein ganzheitliches Bild kardiovaskulärer Schäden durch nikotinhaltige Produkte zu erhalten, integrierten die Autoren einer aktuellen Übersichtsarbeit systematisch Daten zu toxischen Inhaltsstoffen und Emissionen, präklinische Tiermodell-Studien zu vaskulären und endothelialen Mechanismen sowie große klinische und Biomarker-Studien. So stellt etwa die Endotheldysfunktion einen frühen und integrativen Biomarker für Gefäßschäden dar.
Beeinträchtigungen durch Nikotin wie die Hemmung der Kaliumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur oder die Bildung von Prostacyclin und endothelialer NO-Synthase waren bereits nach einer einzelnen Nikotinexposition messbar. Sie traten zudem bei allen Darreichungsformen auf.
Das höchste kardiovaskuläre Risiko bestand beim Konsum von Verbrennungsprodukten wie Zigaretten. Wasserpfeifen, Tabakerhitzer und E-Zigaretten lagen im mittleren Bereich. Doch auch orale Nikotinprodukte wie Kautabak und Beutel wiesen ein messbares Risiko auf. Langzeitdaten zu den Auswirkungen von E-Zigaretten und neueren oralen Nikotinprodukten fehlen allerdings.
Der Erstautor des Beitrags, Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel aus Mainz, fasste die Ergebnisse in einer Pressemitteilung folgendermaßen zusammen:
Das Ergebnis ist eindeutig: Verbrennung verursacht die stärkste Toxizität, doch kein nikotinhaltiges Produkt – ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen – ist für das Herz-Kreislauf-System risikofrei.
Die Autoren betonen, dass es besserer Schutzmaßnahmen für Jugendliche, einer umfassenden Prävention und strengerer Regulierung bedarf.
Quelle
Münzel T, Kuntic M, Keaney JF Jr, et al. Nicotine-containing products and the cardiovascular system: mechanisms and global health implications. Nat Rev Cardiol. Published online August 20, 2026. doi:10.1038/s41569-026-01331-6.
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