Immer wieder werden positive Effekte von Acetylsalicylsäure auf das Krebsrisiko diskutiert. In einer neueren Studie war das Krebsrisiko unter niedrigdosierter Acetylsalicylsäure bei älteren Patienten jedoch gleichbleibend.
Studienergebnisse zu ASS inkonsistent
Mit dem demografischen Wandel nimmt auch die Zahl der Krebserkrankungen zu und Präventionsmaßnahmen gewinnen an Bedeutung. In diesem Zusammenhang wird immer wieder die Wirkung von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure (ASS) untersucht – die Studiendaten hierzu sind jedoch inkonsistent. In früheren randomisierten kontrollierten Studien, hauptsächlich mit Erwachsenen mittleren Alters zur Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stand ASS in Verbindung mit einem verringerten Krebsrisiko, insbesondere für Kolorektalkarzinome. Im Rahmen der Womens Health Study war niedrigdosierte ASS (100 mg täglich) ebenfalls mit einem geringeren Risiko für Darmkrebs assoziiert, das Risiko für andere Krebsarten war jedoch nicht reduziert.
In der randomisierten klinischen Studie ASPREE (Aspirin in Reducing Events in the Elderly) bei Patienten mit einem mittleren Alter von 74 Jahren lag kein Unterschied bezüglich des Krebsrisikos unter Placebo im Vergleich zu niedrigdosierter ASS vor. Stattdessen führte die ASS-Einnahme zu einem höheren Risiko von Krebserkrankungen des Stadiums 4 und krebsbedingter Mortalität bei einem medianen Follow-up von 4,7 Jahren. Um die Langzeiteffekte der Einnahme von niedrigdosierter ASS zu erfassen, wurde die ASPREE-Studie durch den beobachtenden Studienteil ASPREE-XT erweitert. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht.
ASPREE und ASPREE-XT: Gesamtrisiko nicht verringert
In die Untersuchung (ASPREE + ASPREE-XT) wurden 19.114 Erwachsene mit einem mittleren Alter von 75 Jahren eingeschlossen, davon 56% Frauen. Die Teilnehmer nahmen täglich entweder 100 mg ASS oder Placebo ein. Während des medianen Follow-ups von 8,6 Jahren traten insgesamt 3448 Krebserkrankungen und 1173 krebsbedingte Todesfälle auf. Insgesamt war die Einnahme von niedrigdosierter ASS nicht mit einer verringerten Krebsinzidenz assoziiert (Hazard-Ratio 0,98; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,92–1,05). Auch für das Darmkrebsrisiko zeigte sich kein Zusammenhang (HR 1,01; 95%-KI 0,84–1,21). Die ASS-Einnahme führte aber insgesamt zu einer erhöhten krebsbedingten Sterblichkeit (HR 1,15; 95%-KI 1,03–1,29).
Auch bei alleiniger Betrachtung der ASPREE-XT-Verlängerungsstudie, in die 14.907 Patienten eingeschlossen wurden, gab es keine Unterschiede in der Inzidenz neuer Krebserkrankungen (HR 0,91; 95%-KI 0,82–1,01). Die krebsbedingte Sterblichkeit unter ASS war bei alleiniger Betrachtung des ASPREE-XT-Teils nicht mehr erhöht (HR 1,02; 95%-KI 0,83–1,25).
Wachsende Evidenz
In der Gesamtbetrachtung führte die Einnahme von niedrigdosiertem ASS bei dieser älteren Patientenkohorte zu keinem verringerten Krebsrisiko. Stattdessen war die krebsbedingte Sterblichkeit in der Gesamtbetrachtung (8,6 Jahre) um 15% erhöht. Dieser Unterschied hob sich bei alleiniger Betrachtung der Beobachtungsstudie ASPREE-XT auf. Insgesamt stimmen die Ergebnisse mit denen der Studie ASCEND mit Diabetes-Patienten überein, in der über ein Follow-up von 7,4 Jahren ebenfalls keine Assoziation zwischen der Einnahme von niedrigdosierter ASS und dem Krebsrisiko vorlag. Für aussagekräftigere Ergebnisse ist zukünftig ein noch längeres Follow-up der Studienkohorte erforderlich, sodass auch sich langsam entwickelnde Krebserkrankungen eingeschlossen werden, schlussfolgern die Studienautoren.
Quelle
Orchard SG, Polekhina G, Zalcberg J, et al. Cancer Incidence and Mortality With Aspirin in Older Adults: Follow-Up of the ASPREE Trial. JAMA Oncol. Published online January 29, 2026. doi:10.1001/jamaoncol.2025.6196.
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