Spritze mit Impfstoff in der Hand, Geste der Impfverweigerung

Impfungen: Massage statt Nadelstiche?

Eine Untersuchung – vorläufig nur an Mäusen – zeigte, dass in die Haut einmassierte Impfstoffe ebenso wirksam sein können wie injizierte.

Impfen ohne Hautverletzung?

Für Menschen mit Angst vor Spritzen wäre ein alternativer Applikationsweg für Impfungen wünschenswert. Forscher haben nun gezeigt, dass die Massage eine mögliche Option zum Verabreichen von Impfstoffen sein könnte.

Zunächst wurde die Auswirkung einer kontrollierten Dehnung der Haut über 20 Minuten mithilfe eines Geräts untersucht. Die mechanische Belastung der Haut war dabei vergleichbar mit einer therapeutischen Massage oder dem kräftigen Einreiben einer Creme, ohne dass die Haut dabei verletzt wurde. Dieser Teil der Untersuchung wurde an Mäusen und an gesunden Freiwilligen durchgeführt.

Wie kommt der Impfstoff durch die Haut?

Die Hautspannung bewirkte eine Neuausrichtung der Kollagenfasern sowie die Produktion von Entzündungsmediatoren und die Freisetzung von Immunzellen wie Neutrophilen und Monozyten in der Haut. Zusätzlich öffneten sich die Haarfollikel und die Hautbarriere wurde so durchlässiger, ohne dass eine Gewebeschädigung vorlag. Dieser Effekt ist entscheidend für die Applikation von Impfstoffen über die Haut. Durch die (temporär) geöffneten Haarfollikel können Makromoleküle wie Antigene in die Haut eindringen.

Darüber hinaus konnten auch Bestandteile des Hautmikrobioms so die Hautbarriere passieren und lösten eine Aktivierung und Migration von dermalen dendritischen Zellen, die ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems sind, aus.

Wirkt eine einmassierte Grippeimpfung?

Zuletzt verglichen die Forscher – nun nur noch an Mäusen – den Effekt einer auf die Haut aufgetragenen Grippeimpfung mit dem einer intramuskulär verabreichten. Enthalten war das Oberflächenglykoprotein H1N1-Hämagglutinin des Influenza-A-Virus.

Dabei zeigte sich, dass die topische Impfstoffgabe sogar eine stärkere Immunantwort hervorrief – es wurden höhere Konzentrationen an antigenspezifischem Immunglobulin G gemessen.

Ob sich dieses Konzept für Impfungen am Menschen umsetzen lässt, ist noch unklar, da noch viele Fragen offen sind. So muss unter anderem die Rolle des Mikrobioms genauer untersucht werden. In der aktuellen Arbeit konnte nicht geklärt werden, welche Bestandteile die Entzündungsreaktion auslösten und Immunzellen aktivierten. Dies ist unter anderem wichtig zu wissen, da die Zusammensetzung des Hautmikrobioms individuell verschieden ist.

Darüber hinaus gibt es Unterschiede in der Anatomie, Immunologie und Mechanobiologie der Haut von Maus und Mensch. Somit ist weitere Forschung nötig, um zu klären, ob die durch Dehnung induzierte Immunantwort und die Permeation von Impfstoffen über die Haarfollikel beim Menschen gleichermaßen funktioniert. In einem späteren Schritt wäre zu untersuchen, welche Art von Impfstoffen überhaupt für die topische Anwendung geeignet wäre.

Quelle

Benaouda F, et al. Transient skin stretching stimulates immune surveillance and promotes vaccine delivery via hair follicles. Cell Rep 2025;44(10):116224. doi: 10.1016/j.celrep.2025.116224.

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