Das Delir rückt auch wegen der älter werdenden Bevölkerung zunehmend in den Fokus. Die neue S3-Leitlinie soll ein effektives Delirmanagement umsetzbar machen.
Ältere im Fokus
Am 7. Januar 2026 wurde die neue S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter – Eine transsektoral umsetzbare, interdisziplinär-interprofessionelle Leitlinie zu Delirprävention, -diagnostik und -therapie beim alten Menschen“ der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) sowie der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) veröffentlicht.
Das Delir ist ein akut auftretendes neuropsychiatrisches Syndrom aufgrund einer akuten Enzephalopathie. Es geht unter anderem mit Bewusstseinsstörungen sowie Veränderungen in Kognition und Psychomotorik einher. Da die Inzidenz mit zunehmendem Alter steigt und die Altersgruppe der über 65-Jährigen einen erheblichen Teil der Krankenhausbehandlungen und auch der Krankheitskosten ausmacht, stellen die älteren Menschen das Patientenkollektiv der Leitlinie dar; mit Schwerpunkt auf dem nicht-substanzbezogenen Delir.
Teamarbeit soll Delirmanagement effektiver machen
In der gesamten Leitlinie wird immer wieder die Bedeutsamkeit einer transsektoralen, interprofessionellen und interdisziplinären Zusammenarbeit im Delirmanagement hervorgehoben. Die Autoren der Leitlinie empfehlen allgemein eine strukturierte Diagnostik, um die zugrundeliegende Erkrankung oder die multifaktoriellen Umstände zu identifizieren und gezielt zu behandeln. Dies seien die vordringlichen Schritte im Delirmanagement. Auch Kosteneinsparungen durch eine effektive Prävention kommen zur Sprache.
Pharmaka mit Bedacht einsetzen
Im Kapitel zur Therapie werden verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen aufgeführt. Für individuell zugeschnittene Multikomponentenprogramme gibt es eine starke Empfehlung – mit überwiegend nicht-medikamentösen Maßnahmen. Denn trotz des psychopathologischen Erscheinungsbildes sehen die Autoren für die allgemeine Gabe psychotrop wirksamer Arzneimittel keine Rechtfertigung. Die pharmakologische Therapie solle im akutstationären Setting nur bei belastenden Symptomen sowie unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. So werden die Nutzen-Risiko-Abwägung zum Einsatz von Antipsychotika eingehend beleuchtet und Empfehlungen zur Anwendung an die Hand gegeben.
Da ein Delir verschiedene Beeinträchtigungen und weitere Folgen nach sich ziehen kann, raten die Autoren der Leitlinie auch nach dem Delir im Rahmen einer Tertiärprävention zu individualisierten Maßnahmen.
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