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Geschmacksstörungen bei Palliativpatienten

Geschmacksstörungen sind ein belastendes Symptom bei Palliativpatienten. Beim 19. Update Arzneimitteltherapie und Symptomkontrolle berichtete Priv.-Doz. Dr. Constanze Rémi über Ursachen und Therapiemöglichkeiten.

Verschiedene Ursachen für Geschmacksstörungen

Geschmacksstörungen (Dysgeusien) kommen bei Palliativpatienten häufig vor, beispielsweise während und nach Chemotherapien. Sie sind subjektiv, Ursachen und Mechanismen sind vielfältig.

So können die Geschmackstörungen als Nebenwirkungen von Arzneimitteln wie Antibiotika, Antihypertensiva oder Antidepressiva auftreten sowie ein Nocebo-Effekt sein. Auch Infektionen der oberen Atemwege oder im Mund-/Zahnbereich sowie chronische Nasennebenhöhlenerkrankungen können das Geschmacksempfinden beeinträchtigen, unter anderem, da dieses nicht allein von den Geschmacksknospen abhängt, sondern auch vom Geruchsinn – ist dieser beeinträchtigt, leiden auch Geschmackswahrnehmungen.

Weitere mögliche Gründe sind eine Funktionsstörung der Speicheldrüsen (Xerostomie), wodurch die Löslichkeit von Geschmacksstoffen verringert wird, Schlaganfälle und Malignome.

Zink ist für die Funktion der Geschmacksknospen essenziell, sodass ein Mangel daran ebenfalls zu Geschmackstörungen führen kann. Konkret wird Zink für die Synthese des Speichelproteins Gustin benötigt, das wichtig für die Integrität der Geschmacksknospen ist.

Behandlungsversuche bei Geschmacksstörungen

Entsprechend der vielfältigen Ursachen gibt es nicht die eine Behandlung für Geschmacksstörungen, so Rémi. Entscheidend ist, dass Patienten eine subjektive Besserung empfinden.

Es gibt bisher keine Therapie die einen so starken Nutzen gezeigt hat, dass sie einer anderen Therapie überlegen ist.

Wie schmeckt das Essen?

Beginnen kann es mit dem richtigen Würzen des Essens. Gerade der Einsatz von Umami-Würze (z. B. aus Pilzen gewonnen erhältlich) ist wichtig: Umami gilt als Signal für protein- und nährstoffreiche Lebensmittel. Der Umami-Geschmack entsteht normalerweise durch die Freisetzung von Glutamat, wenn Fleisch und Gemüse gekocht oder gebraten werden. Sinkt das Empfinden für die Geschmacksrichtung, essen Patienten häufig nicht mehr ausreichend protein- und nährstoffreiche Nahrungsmittel, wodurch wiederum das Risiko für eine Sarkopenie steigt.

Chemotherapien können als Nebenwirkung einen metallischen Geschmack im Mund verursachen. Gegebenenfalls kann es dann helfen, von Plastik- statt Metallbesteck zu essen, um ein besseres Geschmackserlebnis zu haben.

Zink als Behandlungsversuch

Darüber hinaus kann ein Therapieversuch mit Zink erfolgen – wegen geringer Nebenwirkungen auch ohne zuvor nachgewiesenen Zinkmangel. Die Dosierung beträgt in der Regel dreimal täglich 50 mg p.o. über mehrere Wochen, da der Effekt nicht sofort eintritt. Nach etwa einer Woche sollte man aber zumindest merken, dass sich etwas verändert, so Rémi.

Häufig wird eine bessere Verfügbarkeit von Zinkhistidin gegenüber Zinkoxid propagiert, dies spiele aber nur bei der zusätzlichen Einnahme von Protonenpumpenhemmern eine Rolle, so der Hinweis aus dem Publikum.

Ein besonderes Präparat ist das sogenannte Polaprezinc, eine chelatbildende Verbindung aus Zinkion, L-Histidin, L-Carnosin und Beta-Alanin-Dipeptid, die die Geschmackswahrnehmung wahrscheinlich über die Wiederherstellung der Zinkkonzentration im Zungenepithel und die Förderung der Proliferation der Geschmacksknospenzellen verbessert.

Weitere Therapievorschläge

Andere Teilnehmer berichteten noch vom Einsatz topischer antimykotischer Arzneimittel wegen möglichem Mundsoor (auch ohne entsprechenden Abstrich), Clonazepam als Versuch oder gegebenenfalls Cannabis bei Appetitlosigkeit, die möglicherweise in direktem Zusammenhang mit der Geschmacksstörung steht.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. Constanze Rémi. Geschmacksstörungen. 19. Update Arzneimitteltherapie und Symptomkontrolle, 27.11.2025 bis 28.11.2025 in München und online.

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