Die Epilepsie gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Wichtig ist es, einem plötzlichen unerwarteten Epilepsie-Tod, dem SUDEP, vorzubeugen. Im Rahmen der Vorab-Pressekonferenz zum diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) stellten Experten aktuelle Erkenntnisse vor und gingen auf typische Fragen ein, die Patienten mit Epilepsie im Alltag bewegen.
Eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen
Etwa 5% der Menschen haben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Bei knapp 1% – ca. 800.000 Menschen in Deutschland – kommen sie häufiger vor. Die Anfälle können gefährlich sein und zum Beispiel zu Unfällen und Stürzen führen. Hinzu kommt: Einer von 1000 Betroffenen verstirbt pro Jahr an einem plötzlichen unerwarteten Epilepsie-Tod (SUDEP), meist nach einem großen (generalisiert tonisch-klonischen) Anfall. Doch bis zu 50% aller epileptischen Anfälle werden im klinischen Alltag nicht erkannt bzw. korrekt dokumentiert, betonte Prof. Dr. med. Yvonne Weber, Aachen.
Neben einem erhöhten Sterberisiko haben Menschen mit Epilepsie ein im Vergleich zur gesunden Bevölkerung doppelt so hohes Depressionsrisiko, erklärte Prof. Dr. Felix Rosenow, Frankfurt Rhein-Main.
Welche Chancen bieten Gentherapien …
Große Anfälle müssen vermieden werden!
Das SUDEP-Risiko ist v.a. für Menschen erhöht, die nicht mit herkömmlichen Medikamenten eingestellt werden können. Das beträfe immerhin ein Drittel, so Weber. Gentherapien bieten hier spannende Konzepte. Erste Studien hierzu laufen derzeit. Eine weiterer neuer Therapieansatz ist die Nutzung künstlich entwickelter Rezeptoren, die mithilfe spezieller Wirkstoffe aktiviert werden, sogenannte DREADDs (Designer Receptors Exclusively Activated by Designer Drugs).
… und nichtmedikamentöse Verfahren?
Nach einer Epilepsie-Chirurgie bleiben ca. 60% der Operierten komplett anfallsfrei. Die nichtinvasive fokale Kortexstimulation reduziert die Anfallshäufigkeit um 68%. Hierbei werden Elektroden unter die Kopfhaut implantiert, die elektrische Impulse aussenden, um den Ursprungsort der Anfälle – den Fokus – zu stimulieren.
Mit der stereotaktischen Laser-Thermoablation steht einzelnen Patienten ein weiteres Verfahren zur Verfügung. Dabei sei nur ein ca. 2 mm großes Bohrloch im Schädel erforderlich, um die „epileptogene Läsion“ mit einem Laser auszuschalten, von der die Anfälle ausgehen, so die Experten. Diese innovative Therapie habe weniger Risiken und sei deutlich besser verträglich als die klassische OP.
Autofahren, Kinderwunsch: Was bewegt Patienten im Alltag?
Rosenow zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, nach einem ersten Anfall weitere zu erleiden, im Mittel bei etwa 50% – abhängig von der Art des Anfalls: Tritt der erste Anfall innerhalb einer Woche nach einer akuten Hirnschädigung – z.B. einem Schlaganfall – auf, sei das Risiko niedriger als wenn mehr Zeit vergeht. Zudem sei das Risiko höher bei Erkrankungen wie Hirntumoren.
Nach einem ersten Anfall dürfen Patienten für mindestens 3–12 Monate nicht mehr Autofahren. Bei wiederholt auftretenden Anfällen dürfe dauerhaft nicht gefahren werden, so Rosenow.
Die meisten Epilepsie-Patientinnen können Kinder bekommen, stillen und eine Familie gründen, betonte der Epileptologe. Allerdings sei es wichtig, schon vor einer Schwangerschaft die Medikation zu überprüfen und ggf. anzupassen. Dank verschiedener Register zu Epilepsie und Schwangerschaft, darunter das EURAP-Register, ist heute bekannt, welche Medikamente in der Schwangerschaft sicher eingesetzt werden können und welche dringend gemieden werden sollten. V.a. Valproinsäure könne das ungeborene Kind schädigen und müsse rechtzeitig vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.
Quellen
Prof. Dr. med. Yvonne Weber, Aachen, Prof. Dr. med. Felix Rosenow, Frankfurt am Main, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Online-Pressekonferenz zum DGN-Kongress, 11. November 2025.
Pressemitteilungen der DGN vom 11. November 2025:
- Digitalisierung und innovative Therapien in der Epileptologie: Gentherapie, Chirurgie und nicht invasive Verfahren
- Was bewegt Patientinnen und Patienten mit Epilepsie im Alltag?
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