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Chatbots zur Erhöhung der Impfquoten?

Um die Pneumokokken-Impfquoten bei Älteren zu erhöhen, testeten Wissenschaftler aus China einen neuen Chatbot-basierten Ansatz – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Pneumokokken: 20% der Personen ab 60 geimpft

Die Pneumokokken-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für Personen ab 60 Jahren empfohlen. Einer Auswertung des Robert Koch-Instituts zufolge ist jedoch nur etwa ein Fünftel der Personen ab 60 Jahren geimpft (pdf). Studiendaten zeigen, dass die telefonische Beratung älterer Menschen einen positiven Beitrag zur Erhöhung der Impfquoten leisten kann, diese ist jedoch aufwendig. Ein nachhaltiger, aber dennoch individueller Ansatz könnte daher der Einsatz von Chatbots sein. Wie sinnvoll sogenannte hybride Chatbots – also Mischungen aus regelbasierten und KI-basierten Chatbots – dabei sind, wurde von Wissenschaftlern aus Hongkong erprobt.

Hybrider Chatbot versus Standardinfos

In die randomisierte klinische Studie wurden 374 Patienten ab 65 Jahren eingeschlossen und auf zwei Gruppen randomisiert:

  1. Die „Stage-of-Change“-Gruppe (n = 187), in der ein hybrider Chatbot die Entscheidungsphase der Teilnehmer hinsichtlich einer Pneumokokken-Impfung ermittelte. Annahme war hierbei, dass jeder Teilnehmer vor der Entscheidung zur Impfung durch die Phasen Vorüberlegung, Überlegung, Vorbereitung und Umsetzung (Stages of Change) geht. Nach Einstufung der Entscheidungsphase lieferte der Chatbot nach 0, 1, 2 und 3 Monaten individuell zugeschnittene Interventionen. Die Teilnehmer konnten außerdem Fragen zu potenziellen Bedenken über eine Echtzeit-Q&A-Funktion stellen.
  2. Die Standard-Interventionsgruppe (n = 187), in der ein Chatbot den Teilnehmern einen Link zum Ansehen von Standard-Onlinevideos mit Informationen zur Pneumokokken-Impfung nach 0, 1, 2 und 3 Monaten zur Verfügung stellte.

Primärer Endpunkt der Studie war die Impfquote nach zwölf Monaten.

10% mehr Impfungen durch hybriden Chatbot

Durch den Einsatz eines hybriden Chatbots mit individuellen Interventionen, basierend auf der Entscheidungsphase der Teilnehmer, ließen sich rund 10% mehr Teilnehmer impfen (29,4% vs. 18,7%, p = 0,01). Auch die mittlere Änderung des Stage-of-Change-Scores war in Gruppe 1 höher (2,2 vs. 1,9; p = 0,02), die Patienten zeigten also durchschnittlich eine höhere Bereitschaft zur Impfung.

Als Limitationen der Studie nennen die Autoren unter anderem, dass wenige Personen ab 75 Jahren eingeschlossen wurden. Außerdem waren einige Daten patientenberichtet und konnten daher nicht geprüft werden.

Quelle

Wang Z, Chen S, Poon J, et al. A Hybrid Chatbot to Promote Pneumococcal Vaccination Among Older Adults: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2025;8(10):e2535813. Published 2025 Oct 1. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.35813.

Bildquelle

Have a nice day – stock.adobe