Schmerzmanagement bei Älteren: neue Handlungsempfehlungen

Im Alter werden Schmerzen oft als normal abgetan – mit mitunter schwerwiegenden Folgen für die Lebensqualität und Gesundheit der Betroffenen. Mit GeriPAIN steht seit Kurzem in Deutschland eine S3-Leitlinie speziell für ältere Menschen mit akuten und chronischen Schmerzen zur Verfügung.

Erste S3-Leitlinie zum Schmerzmanagement geriatrischer Patienten

Multimorbidität, Polypharmazie, kognitive Beeinträchtigungen: Geriatrische Patienten sind besonders schmerzempfindlich. Schmerzen sind dabei nicht nur ein Symptom. Sie können auch Signale für Gebrechlichkeit, Sturzneigung, Pflegebedürftigkeit und erhöhte Sterblichkeit sein. Trotz dieser Risiken bleibt Schmerz bei älteren Menschen häufig unerkannt oder unzureichend behandelt.

Mit der neuen S3-Leitlinie „Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen (GeriPAIN)“ liefern Experten evidenzbasierte Empfehlungen für die Diagnose und eine sichere und individuelle Therapie älterer Menschen.

Analgetika zunächst niedrig dosieren

Eine Empfehlung: Die Therapie mit Analgetika und Co-Analgetika soll bei geriatrischen Patienten in niedriger Dosierung begonnen werden. Wenn höhere Dosen nötig sind und vertragen werden, ist die Dosis langsam zu steigern. Wichtig ist es, Wirksamkeit und Verträglichkeit engmaschig zu kontrollieren.
Bei der Auswahl von Analgetika, Co-Analgetika und Adjuvanzien für geriatrische Patienten können die Hinweise der PRISCUS-Liste und der FORTA-Kriterien (PDF) berücksichtigt werden.

Neben der medikamentösen Schmerztherapie werden klare Empfehlungen für nicht-medikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, psychosoziale Unterstützung und Bewegungstherapie bereitgestellt. Berücksichtigt sind auch spezifische Herausforderungen, etwa das Erkennen von Schmerzen bei Menschen mit Demenz oder kognitiven Einschränkungen.

Versorgungsbrüche vermeiden

Ziel der Leitlinie ist es, die Sicherheit von Patienten zu erhöhen, Versorgungsbrüche zu vermeiden und die interprofessionelle Zusammenarbeit im Schmerzmanagement zu stärken. Gleichzeitig sollen ältere Menschen gestärkt werden, aktiv ihre Gesundheitsversorgung mitzugestalten.

Die Leitlinie baut auf der bereits bestehenden S3-Leitlinie „Schmerzassessment bei älteren Menschen in der vollstationären Altenhilfe“ auf und erweitert sie um zentrale Aspekte der Diagnosestellung sowie der nichtmedikamentösen, medikamentösen und invasiven Schmerztherapie.

Quellen

  • Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V., UVSD SchmerzLOS e.V. (Hrsg.) (2025): S3-Leitlinie Schmerzmanagement bei GERiatrischen PAtIeNt:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN). Langfassung 1.0, 2025, AWMF-Registernummer 145/005, (abgerufen am: 29.10.2025)
  • Medizinische Fakultät der Universität Duisburg, Pressemitteilung vom 22.10.2025: „GeriPAIN: Erste umfassende S3-Leitlinie für Schmerzmanagement bei älteren Menschen in Deutschland erschienen“

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