Die gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient lebt von einer Kommunikation auf Augenhöhe. Wie medizinische Zahlen in dieser Beziehung kommuniziert werden sollten, wurde in einer aktuellen JAMA-Publikation zusammengefasst.
Zahlen stärken Shared Decision-Making
Innerhalb des Shared Decision-Makings, also der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und Patient im Rahmen einer Behandlung, werden häufig Zahlen zur Veranschaulichung kommuniziert. Dabei geht es beispielsweise um Therapieerfolge oder Risiken. Ob diese Zahlenangaben förderlich sind, hängt jedoch maßgeblich vom numerischen Verständnis des Patienten ab. Werden hingegen keine medizinischen Zahlen kommuniziert, kann dies ebenfalls zu Missverständnissen oder Frustration führen. Um den schmalen Grat der richtigen Zahlenkommunikation erfolgreich beschreiten zu können, wurden in einem JAMA Insight Evidenz-basierte Empfehlungen vorgestellt.
1. Zahlen statt Adjektive
Das Verständnis von verbalen Risikowahrscheinlichkeiten wie „selten“ und „häufig“ schwankt erheblich. In einem systematischen Review aus 2021 interpretierten Personen die Formulierung „häufig“ als Werte, die zwischen 10 und 100% schwankten. Die Kommunikation konkreter Zahlen hilft Patienten beispielsweise dabei zu verstehen, ob ein seltenes Risiko bei 4% oder 0,004% liegt.
2. Konsistente Nenner
Um Zahlen schnell erfassen zu können, sollten Formulierungen wie „1 von 12“ oder „1 von 384“ („1-von-X-Format“) vermieden werden. Stattdessen sollte der Nenner fix sein, z.B. im „X-von-1000-Format“. Dadurch bleiben Zahlen vergleichbar und können leichter eingeordnet werden. In einem systematischen Review wurde zudem gezeigt, dass Risikowahrscheinlichkeiten dargestellt im „1-zu-X-Format“, häufig als höher wahrgenommen wurden.
3. Absolute statt relative Differenzen
Wahrscheinlichkeits-Differenzen, beispielsweise zur Abschätzung des Therapieerfolgs oder potenzieller Risiken, sollten als absolute statt relative Werte kommuniziert werden. Die relative Formulierung „reduziert das 10-Jahres-Risiko um 25%“ ist zur Abschätzung des Therapieerfolgs beispielsweise weniger relevant als die absolute Formulierung „reduziert das 10-Jahres-Risiko von 8% auf 6%“.
4. Visuelle Darstellung: beide Seiten zeigen
Auch bei der visuellen Darstellung von Wahrscheinlichkeiten sollte darauf geachtet werden, Daten möglichst neutral darzustellen und beide Seiten zu visualisieren. Für eine Veranschaulichung von Risikowahrscheinlichkeiten im Balkendiagramm bedeutet das beispielsweise die Nutzung von gestapelten Balken.
5. Kontext bieten
Einige medizinische Zahlen, wie Biomarker-Level, sind für viele Patienten nicht gängig. Hier sollte genügend Kontext geliefert werden, um die klinische Relevanz vermitteln zu können. Beispielhaft nannten die Autoren den Serumkreatinin-Wert.
Quelle
Zikmund-Fisher BJ, Thorpe A, Fagerlin A. How to Communicate Medical Numbers. JAMA. Published online September 24, 2025. doi:10.1001/jama.2025.13655.
Bildquelle
Pcess609 – stock.adobe.com