COVID-19 ist nach wie vor eine häufig auftretende Erkrankung. Um die Erkrankungsdauer zu verkürzen und Ansteckungen zu verringern, kann es gegebenenfalls sinnvoll sein, auch weniger schwer Erkrankte medikamentös zu behandeln. In einer aktuellen Studie wurde daher Obeldesivir in dieser Patientenpopulation getestet.
Therapie bei weniger schwer Erkrankten?
COVID-19 bleibt eine Herausforderung für die allgemeine Gesundheit, da ständig neue Varianten von SARS-CoV-2 auftreten. Die Immunität der Bevölkerung hat im Laufe der Zeit zugenommen, was zu einer geringeren Schwere der Erkrankung führt, insbesondere bei jüngeren und nicht immungeschwächten Personen. Trotzdem besteht auch in dieser Gruppe eine bedeutende Krankheitslast. Eine Verkürzung der Krankheitsdauer und eine Verringerung der SARS-CoV-2-Übertragbarkeit würden auch Patienten mit geringem Risiko einer schweren Erkrankung Vorteile bieten.
Obwohl mehrere orale Virostatika Phase-II-Studien bei Patienten mit geringem Risiko durchlaufen haben, sind in den meisten Ländern keine antiviralen Arzneimittel zur Behandlung von leichtem bis mittelschwerem COVID-19 bei nichthospitalisierten Personen ohne Risikofaktoren für eine schwere Erkrankung zugelassen.
In der Phase-III-Studie OAKTREE wurde daher nun das orale antivirale Nukleosidanalogon Obeldesivir bei nicht hospitalisierten Personen mit COVID-19 mit geringem Risiko für eine Progression zu einer schweren Erkrankung untersucht.
Gut verträglich, aber kein Behandlungsvorteil
In die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie wurden 1955 Patienten eingeschlossen. 979 erhielten Obeldesivir, 976 Placebo. 1368 Teilnehmer (70%) hatten eine Grundimpfung abgeschlossen und 1938 (99,6%) waren seropositiv für SARS-CoV-2-Antikörper.
Die mediane Zeit bis zur Besserung der Symptome betrug 5,9 Tage in der Obeldesivir-Gruppe und 6,0 Tage in der Placebo-Gruppe (primärer Endpunkt). Dieser Unterschied ist nicht relevant, auch wenn die Patienten der Obeldesivir-Gruppe nach fünf Tagen eine geringere Viruslast aufwiesen (stärkerer Rückgang der Virus-RNA-Kopienzahl im Serum, sekundärer Endpunkt).
Die Sicherheitsbewertung fiel positiv aus (primärer Sicherheitsendpunkt): 53 (5,4 %) Teilnehmer der Obeldesivir-Gruppe und 56 (5,7 %) der Placebo-Gruppe hatten ein oder mehrere behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse. 753 (77,5 %) Teilnehmer in der Obeldesivir-Gruppe und 757 (78,5 %) in der Placebo-Gruppe wiesen eine oder mehrere Laborwertabweichungen auf.
Somit resümieren die Studienautoren, dass Obeldesivir im Allgemeinen sicher und gut verträglich war, aber die Zeit bis zur Symptomlinderung nicht signifikant verkürzte. Generell sei es schwieirg, die Wirksamkeit in dieser Population in einer Zeit hoher impfstoffinduzierter und natürlicher Immunität zu beurteilen. Es könnte aber eine Therapieoption darstellen, sollten noch einmal virulentere Varianten von SARS-CoV-2 auftreten.
Quelle
Ogbuagu O, et al. Efficacy and safety of obeldesivir in low-risk, nonhospitalized patients with COVID-19 (OAKTREE): a phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet Infect Dis 2025, published online July 14. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(25)00238-5
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