Immer mehr Menschen sind von multiresistenter Tuberkulose betroffen. Standardtherapie ist für diese Fälle aktuell Linezolid. Wegen schlechter Verträglichkeit wird jedoch nach Alternativen gesucht.
Viele Todesfälle weltweit
Weltweit sterben jährlich mehr als 1,2 Millionen Menschen an Tuberkulose. Deutschland ist mit einer Tuberkulose-Inzidenz von unter 10 pro 100.000 Einwohner ein Niedrig-Inzidenzland. Trotzdem steigt die Zahl der Fälle (4481 in 2023) und auch die von Rifampicin-resistenten Erregern betroffenen Patienten werden, wie auch weltweit beobachtet, mehr.
Therapiealternativen dringend gesucht
Für die Behandlung der multiresistenten Tuberkulose empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2022 das Oxazolidinon Linezolid zusammen mit Bedaquilin, Pretomanid und Moxifloxacin. Dadurch verkürzte sich die Therapiedauer von 18 Monaten deutlich auf sechs Monate. Aber auch diese Therapie wird häufig nicht zu Ende geführt aufgrund der schweren Toxizität von Linezolid. So kann es bei der langfristigen Anwendung unter anderem zu Anämien und Neuropathien inkl. einer Schädigung des Sehnervs (Optikusneuropathie) kommen.
„Trotz seiner Wirksamkeit ist Linezolid für viele Patienten schlichtweg zu toxisch. Wir benötigen dringend sicherere Alternativen innerhalb dieser Antibiotikaklasse“, so Priv.-Doz. Dr. Norbert Heinrich vom Institut für Infektions- und Tropenmedizin, LMU Klinikum München in einer Pressemitteilung.
In zwei internationalen Dosisfindungsstudien (Phase 2b) unter der Leitung von Heinrich wurden nun weitere Vertreter der Wirkstoffklasse Oxazolidinone – Delpazolid und Sutezolid – in verschiedenen Dosierungen getestet. Die Studien wurden im Rahmen des PanACEA-Netzwerks (Pan-African Consortium for the Evaluation of Anti-Tuberculosis Antibiotics) durchgeführt – einem internationalen Konsortium in Afrika und Europa. Patienten wurden in Südafrika und Tansania rekrutiert.
Beide Wirkstoffe mit besserer Verträglichkeit
Delpazolid und Sutezolid erwiesen sich beide als besser verträglich im Vergleich zu Linezolid. So traten bei keinem der Wirkstoffe Nervenschädigungen oder hämatologische Nebenwirkungen auf. Sutezolid war in allen Dosierungen wirksam, Delpazolid erreichte bei einer einmal täglichen Dosis von 1200 mg die notwenigen Wirkstoffspiegel.
Schwächen sind unter anderem die kurze Studiendauer von 12 bis 16 Wochen und die niedrigen Patientenzahlen von unter 200 Patienten pro Studie. Endgültige Schlussfolgerung zur Wirksamkeit in Relation zu Nebenwirkungen bei langfristiger Anwendung, die zur Heilung nötig ist, können aus den vorliegenden Studien nicht geschlossen werden. Außerdem ist noch nicht klar, inwieweit die Ergebnisse auf eine typische Patientenpopulation mit multiresistenter Tuberkulose übertragbar sind, da beispielsweise Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion ausgeschlossen waren.
Weitere Studien über einen längeren Zeitraum laufen bereits. Diese können dann Aufschluss über Heilungsraten und langfristige Verträglichkeit unter den Therapieregimen liefern.
Quelle
Heinrich N, et al. Sutezolid in combination with bedaquiline, delamanid, and moxifloxacin for pulmonary tuberculosis (PanACEASUDOCU-01): a prospective, open-label, randomised, phase 2b dose-finding trial. Lancet Infect Dis, Published Online July 8, 2025. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(25)00213-0
Minja LT, et al. Delpazolid in combination with bedaquiline, delamanid, and moxifloxacin for pulmonary tuberculosis (PanACEA-DECODE-01): a prospective, randomised, openlabel, phase 2b, dose-finding trial. Lancet Infect Dis, Published Online July 8, 2025. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(25)00289-0
Sichere Alternativen zu toxischem Tuberkulose-Medikament. Forschungsergebnisse des Tropeninstituts am LMU Klinikum und Konsortiumspartnern zeigen: Zwei neuartige Antibiotika könnten besser verträglich sein. Pressemitteilung des LMU Klinikums München, 08.07.2025.
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