Chronische Tendopathien können konservativ oder auch mit einer speziellen Form der Eigenbluttherapie behandelt werden. Die Anwendung von sogenanntem plättchenreichen Plasma hat sich in einigen Studien als wirksam erwiesen.
Wirksam an verschiedenen Körperteilen
Tendopathien sind Erkrankungen der Sehnen, die meist mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergehen. Ursachen sind in der Regel Über- oder Fehlbelastung sowie Verschleiß. Erste Behandlungsoptionen sind Schonung, Schmerzmittel oder Physiotherapie. Versagen diese konservativen Therapien, ist eine Behandlung mit PRP (platelet-rich plasma; thrombozytenreiches/plättchenreiches Plasma) möglich.
Ein aktueller Review mit Metaanalyse (9 bzw. 6 Studien) zeigte signifikante Verbesserungen von chronischen Sehnenschmerzen nach PRP-Behandlungen. Die Verbesserungen waren nach sechs und zwölf Monaten messbar (visuelle Analogskala) verglichen mit den Kontrollgruppen (Placebo in Form von Salzlösungen oder Scheinbehandlungen; Glucocorticoid-Injektionen; Dextrose-Injektionen). Ausgeschlossen waren Studien, bei denen das PRP mit Operationen verglichen wurde. Auch nach zwei Jahren scheint der Effekt noch anzuhalten, allerdings waren hier nur noch Daten aus zwei Studien verfügbar. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit bei Tendopathien der oberen oder unteren Extremitäten. Allerdings waren die eingeschlossenen Studien sehr heterogen, unter anderem auch hinsichtlich der Aufbereitung des Plasmas. Somit sind weitere Untersuchungen mit standardisiertem Studiendesign und längerem Follow-up nötig, um die Ergebnisse abzusichern, so die Autoren der Metaanalyse.
Was ist PRP?
Die Behandlung mit PRP ist eine Form der Eigenbluttherapie, die bei verschiedensten orthopädischen Erkrankungen eingesetzt werden kann. Dazu zählen unter anderem Arthrose, Muskelfaserrisse, Band- und Sehnenverletzungen oder eben auch die Tendinopathien.
Aus venösem Vollblut werden durch Zentrifugation (kommerzielle Anbieter) andere Zellbestandteile wie Erythrozyten entfernt, sodass plättchenreiches Plasma zurückbleibt. Dieses wird dem Patienten anschließend an die betroffene Stelle gespritzt und so der Degenerationsprozess aufgehalten beziehungsweise ein Regenerationsprozess angeregt. Ausgenutzt wird hierbei, dass Thrombozyten bei Aktivierung zahlreiche Wachstumsfaktoren freisetzen, die eine Zelldifferenzierung und -proliferation sowie die Angiogenese anregen.
Als erste Reaktion kommt es somit zu einer Entzündung, worüber der Patient aufgeklärt werden muss, um keinen Vertrauensverlust in die Therapie und den Arzt zu riskieren. Ein weiterer wichtiger Hinweis für die Patienten ist dementsprechend, vor der Behandlung nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) abzusetzen, da sonst Therapieversagen droht.
Variieren kann außerdem der Anteil an Leukozyten: Leukozytenreiches PRP hat tendenziell mehr Nebenwirkungen und setzt einen stärkeren Entzündungsreiz als leukozytenarmes PRP. Das scheint vorteilhaft bei Sehnenentzündungen zu sein, bei degenerativen Erkrankungen wie Arthrose ist dies nachteilig, sodass leukozytenarmes PRP vorgezogen werden sollte.
Quelle
Nadeau-Vallée M, et al. Platelet-rich plasma injections as a second-line treatment in patients with tendinopathy-related chronic pain and failure of conservative treatment: a systematic review and meta-analysis. Pain Med. 2025 Jul 1;26(7):407-419. doi: 10.1093/pm/pnaf022.
Dr. Carl Peter Meschede, München. PRP und deren Anwendungsmöglichkeiten zur Schmerzreduktion. Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2025. 13. bis 15. März 2025, Frankfurt.
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