In einer Analyse von Bankdaten aus Großbritannien konnte gezeigt werden, dass sich Ausgaben vor dem Verlust der finanziellen Selbstständigkeit verändern.
Zeichen einer beginnenden Demenz
Wurde einfach ein Termin vergessen oder ist es ein Anzeichen einer beginnenden Demenz? Neben Gedächtnisproblemen deuten auch weitere Symptome wie Orientierungsprobleme, Sprach- und Schreibschwäche oder der Rückzug aus dem sozialen Leben auf eine beginnende Demenz hin.
Aber auch bestimmte Verhaltensweisen bei Geldgeschäften könnten auf eine beginnende Demenz hindeuten. Sowohl neurodegenerative als auch psychiatrische Erkrankungen können finanzielle Entscheidungen im Alter beeinträchtigen.
Weniger Ausgaben für alltägliche Dinge
In einer Fall-Kontroll-Studie aus Großbritannien wurden Bankdaten von 16 742 Personen erhoben, deren Bankgeschäfte von einem gesetzlich Bevollmächtigten erledigt wurden. Verglichen wurden diese Daten mit 50 226 Personen ohne Verlust der finanziellen Selbstständigkeit. Demographische und sozioökonomische Daten der Personen in der Kontrollgruppe, die ihre Bankgeschäfte selbstständig erledigten, entsprachen den Daten der „Vollmacht“-Gruppe zehn Jahre, bevor sie ihre finanzielle Unabhängigkeit verloren.
Ausgewertet wurden 344 verschiedene finanzielle Transaktionen, darunter Ausgaben für Reisen oder Hobbys sowie das Login-Verhalten beim Online-Banking.
Das mittlere Alter der Personen betrug in beiden Gruppen ungefähr 73 Jahre und etwa 61% waren weiblich. Fünf Jahre vor dem Inkrafttreten der Vollmacht war es im Vergleich zur Kontrollgruppe für die Betroffenen weniger wahrscheinlich, für Alltagsaktivitäten Geld auszugeben. Der Unterschied betrug bei:
- Kleidung: –9,1 Prozentpunkte (95%-Konfidenzintervall [KI] –10,0 bis –8,3)
- Reisen (z. B. Hotelkosten): –9,6 Prozentpunkte (95%-KI –10,5 bis –8,8)
- Hobbys (z. B. Gartenarbeit): –7,9 Prozentpunkte (95%-KI –8,8 bis –7,1)
Im Gegenzug dazu war es wahrscheinlicher, mehr Geld für Dinge auszugeben, die auf einen längeren Aufenthalt zu Hause hindeuten (z. B. Unterschied bei Gas- oder Stromrechnungen: 5,1 Prozentpunkte (95%-KI 4,6 bis 5,7).
Anzeichen für eine erhöhte finanzielle Anfälligkeit in der Vollmachtgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe beinhalteten eine vermehrte Häufigkeit für Anfragen, die persönliche Identifikationsnummer (PIN) zurückzusetzen, Betrugsfälle, verlorene oder gestohlene Kredit- oder EC-Karten sowie vermehrte Spendenausgaben. Außerdem war zum Beispiel in der Vollmachtgruppe eine reduzierte Online-Banking-Aktivität im Vergleich zur Kontrollgruppe zu beobachten.
Bankdaten für gesundheitliches Screening?
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen auf, dass Art und Ausmaß der finanziellen Ausgaben mit Abnahme der finanziellen Entscheidungsfähigkeit und dem Verlust der finanziellen Selbstständigkeit zusammenhängen. Das bedeutet, dass Bankdaten frühe Anzeichen für Probleme sein können, die mit einem Verlust an finanziellen Fähigkeiten zusammenhängen. Solche Erkenntnisse können zur Entwicklung von Screening-Strategien bei Demenz beitragen.
Quelle
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