Das beste Medikament bringt nichts, wenn es nicht eingenommen wird. Warum Patientinnen nach Brustkrebs ihre orale medikamentöse Tumortherapie möglicherweise nicht regelmäßig nehmen und wie sich die Therapietreue verbessern lassen könnte, diskutierten Kliniker gemeinsam mit Patientinnen im Rahmen der Sitzung „Adhärenz fördern – aus Sicht …“ auf dem 44. Jahreskongress der deutschen Gesellschaft für Senologie Ende Juni 2025.
Welche Bedeutung hat Adhärenz zur oralen Tumortherapie in der Senologie?
Orale Tumortherapeutika spielen für Patientinnen mit Brustkrebs eine wichtige Rolle. So erstreckt sich eine adjuvante endokrine Therapie beispielsweise über fünf bis zehn Jahre. Viele Zytostatika und zielgerichtete Therapien für Patientinnen im metastasiertem Stadium stehen inzwischen als Oralia zur Verfügung – auch sie müssen mitunter über Jahre eingenommen werden. Neu hinzugekommen sind in den letzten Jahren zudem CDK-4/6-Inhibitoren für Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko.
Doch fast jede zehnte Patientin, die laut eigener Aussage adhärent ist, nimmt ihr verordnetes Tamoxifen nicht ein. Schon vor fünf Jahren konnte gezeigt werden, dass diese Nonadhärenz Konsequenzen für den Therapieerfolg hat. Aktuelle Daten bestätigen das: Dr. med. Dominik Dannehl, Tübingen, zufolge liegt das fernmetastasierungsfreie Überleben nach zehn Jahren bei kontinuierlich hoher Adhärenz bei 83%, bei kontinuierlich niedriger Adhärenz bei 79% (Hazard-Ratio 0,66; p<0,0001).
Adhärenz ist wichtiger als die tatsächlich eingenommene Dosis
Um eine hohe Adhärenz zu erreichen, sei ein adäquates Nebenwirkungsmanagement entscheidend, sagte Dannehl. So sollte die Dosis eines CDK-4/6-Inhibitors bei persistierenden Nebenwirkungen pausiert und im Anschluss großzügig reduziert werden. Dass eine Dosisreduktion nicht auf Kosten des krankheitsfreien Überlebens erfolge, zeigten sowohl Daten der NATALEE- als auch der monarchE-Studie.
Gründe für Nonadhärenz sind vielfältig
Fehlendes Vertrauen, lange Anfahrten zur Praxis, hohe Zuzahlungen, Komorbidität, Angst vor Nebenwirkungen, mangelnde Informationen – die Gründe für mangelnde Therapietreue sind vielfältig, betonte auch Anne Klein, Borna. Man müsse die Medikation gut „verkaufen“, sagte sie. Hier sei Ehrlichkeit wichtig. Doch Patientenaufklärung kostet Zeit. Unterstützen könne das Pflegepersonal. Und die Apotheken, wie Stefanie Heindel, Münster, in der anschließenden Diskussion erinnerte: Sie können u.a. mit der pharmazeutischen Betreuung bei oraler Antitumortherapie unterstützen.
„Wir haben einen eigenen Willen“
Patientenvertreterin Annette Kruse-Keirath, Weigenheim, nannte eine weitere Hürde bei der Compliance: Die Medikamente erinnern an die Erkrankung. Problematisch sei in diesem Zusammenhang zudem die Polypharmazie. Als Beispiel nannte sie eine onkologische Patientin, die über den Tag verteilt 18 Tabletten nehmen müsse und damit täglich gefühlt 12 Stunden beschäftigt sei.
Patienten wollen gelobt werden.
Unterstützen können auch Selbsthilfegruppen, wie Dr. Rhea Seehaus, Mühltal, ausführte. Sehe man als Betroffene, dass man nicht allein ist mit seinen Sorgen und Nebenwirkungen ist, könne das eine große Hilfe sein.
Wir möchten begleitet, nicht nur behandelt werden.
Quelle
44. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Senologie. Wissenschaftliche Sitzung „Adhärenz fördern – aus Sicht …“, 27. Juni 2025, Stuttgart.
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