Diabetes als Nebenwirkung der Krebstherapie

Seit 2014 sind Checkpoint-Inhibitoren Bestandteil verschiedener Krebsbehandlungen. Unter der Therapie treten verschiedene immunvermittelte Nebenwirkungen auf. Eine davon ist eine spezielle Form des Diabetes, der CIADM, wie Prof. Dr. Andreas Fritsche, Tübingen, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie erläuterte.

Immunvermittelte Nebenwirkungen der Checkpoint-Inhibitoren

Checkpoint-Inhibitoren sind seit gut zehn Jahren in der Krebstherapie etabliert, werden immer häufiger und bei immer mehr Krebsarten eingesetzt. Sie aktivieren die Immunabwehr, genauer die T-Zellen, die sich gegen Tumorzellen richten. Das aktivierte Immunsystem kann jedoch auch verschiedene Autoimmunprozesse auslösen und gesunde Zellen angreifen. Infolge treten unterschiedliche, mitunter schwere und lebensbedrohliche Nebenwirkungen dieser Arzneistoffe auf.

Das ist ein ganzer Strauß von Nebenwirkungen.

Diese Nebenwirkungen werden „immune-related Adverse Events“ (irAEs) genannt. Sie können in allen Bereichen des Körpers auftreten, besonders häufig sind endokrine Zellen betroffen. Dazu zählen Zellen der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse und der Nebennieren, aber auch die insulinproduzierenden Betazellen des Pankreas.

Dadurch kann eine besondere Form des Diabetes entstehen, der sogenannte Checkpoint-Inhibitor-assoziierte Autoimmun-Diabetes-Mellitus (CIADM). Dieser kommt bei etwa 1 bis 2% der mit Checkpoint-Inhibitoren behandelten Patienten vor.

CIADM mit hohem Behandlungsbedarf

Der CIADM tritt ungefähr zwölf Wochen nach Therapiebeginn mit einem Checkpoint-Inhibitor auf und ähnelt dem Typ-1-Diabetes. Die Insulinproduktion ist jedoch komplett erloschen und es kommt noch häufiger zu Ketoazidosen. Bei einem Teil der Patienten, jedoch nicht bei allen, sind Autoantikörper nachweisbar, die auch bei Typ-1-Diabetes vorkommen.

Die Erkrankung ist erst seit einigen Jahren bekannt und werde bisher wenig wahrgenommen und beachtet, dabei besteht dringender Behandlungsbedarf, erläutert Fritsche. Sie darf auch keinesfalls mit der Verschlechterung eines vorbestehenden Typ-2-Diabetes verwechselt werden und weiter mit Metformin oder anderen oralen Antidiabetika behandelt werden. Stattdessen muss wie bei Typ-1-Diabetikern eine Basal-Bolus-Insulintherapie erfolgen inklusive Schulungen und engmaschiger Betreuung.

Die Patienten brauchen Insulin!

Es brauche also in jedem onkologischen Zentrum eine sogenannte Diabetes-Unit, um diesen komplexen Patienten gerecht zu werden. Zudem ist es extrem wichtig, den CIADM früh zu erkennen, sodass Ärzte bereits während der Krebsbehandlung regelmäßig Screenings (HbA1c und Blutzucker) durchführen sollten. Bei entsprechendem Verdacht kann die endogene Restsekretion des körpereigenen Insulins gemessen werden. Fehlt diese vollständig, handelt es sich um einen CIADM.

Bisherige Daten deuten überdies leider darauf hin, dass sich die Betazellen auch nach Ende der Therapie mit dem Checkpoint-Inhibitor nicht wieder erholen und der CIADM somit nicht reversibel ist.

Quelle

Prof. Dr. med. Andreas Fritsche, Tübingen. Krebs besiegt, aber Diabetes bekommen? Wie Immuntherapien den Stoffwechsel beeinflussen. Gemeinsame Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE), online am 09.07.2025.

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