Link zum Beitrag

Immuncheckpoint-Inhibitoren bei Autoimmunerkrankungen

Kann die etablierte Krebstherapie auch bei Patienten mit Multipler Sklerose und anderen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden? Grundsätzlich ja, doch bei Myasthenia gravis ist Vorsicht geboten, wie eine aktuelle Studie ergab.

ICI: Breitgefächert und bewährt

Die Zahl der zugelassenen Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICI) und deren Indikationen wächst stetig. Allerdings sind Personen mit bestehenden Autoimmunerkrankungen selten in klinische Studien zu ICI eingeschlossen und es fehlen entsprechende Erkenntnisse. Da ICI am Immunsystem ansetzen und verschiedene Organsysteme beeinflussen können, sind immunbedingte Verschlimmerungen neurologischer Autoimmunkrankheiten möglich. Die Substanzen scheinen aber bei den meisten dieser Patienten toleriert zu werden. Eine retrospektive Kohortenstudie sollte Klarheit bringen.

Vergleich von Autoimmunerkrankungen

Analysiert wurden die Daten von 135 Krebspatienten mit Myasthenia gravis, Multipler Sklerose, dem Guillain-Barré-Syndrom, transverser Myelitis, dem nichtparaneoplastischen Lambert-Eaton-Syndrom oder multifokaler motorischer Neuropathie. Die Probanden wurden mit mindestens einer ICI-Dosis behandelt, insbesondere mit einer vorrangig mit einer PD-1- oder PD-L1-adressierten Therapie. Als Kontrollkohorte diente eine Gruppe von Patienten mit Morbus Parkinson. Die Bewertung des Grads der neurologischen Behinderung erfolgte anhand der modifizierten Rankin-Skala.

Exazerbationen bei Myasthenia gravis

Exazerbationen hinsichtlich neurologischer Störungen traten mit 12 von 18 Fällen vorrangig bei Patienten mit Myasthenia gravis auf. Davon führten sechs Fälle (50%) zu Hospitalisierungen und zwei (17%) zum Tod. Ein Patient entwickelte sowohl eine schwere Exazerbation als auch ein fulminantes Fortschreiten der Krebserkrankung, was zusammengenommen den Tod zur Folge hatte.

Die positiven Ergebnisse waren: Die Patienten, die auf die ICI-Behandlung ansprachen, taten dies dauerhaft. Mehrere blieben langfristig stabil und länger als zwei Jahre progressionsfrei. Die Exazerbationsraten der anderen Erkrankungen lagen deutlich niedriger als bei Myasthenia gravis, neue oder wiederkehrende Symptome waren weitaus weniger schwerwiegend. Bezüglich Ansprechrate, progressionsfreiem Überleben sowie Gesamtüberleben gab es keine Unterschiede bei den unterschiedlichen Erkrankungen.

Einsetzen, aber mit Umsicht

Das Fazit der Studienautoren lautet: ICI sind für viele Patienten mit geeigneten onkologischen Indikationen trotz bestehender neurologischer Autoimmunerkrankungen eine vielversprechende Option. Das Risiko toxischer Wirkungen ist jedoch – zugeschnitten auf die zugrundeliegende neurologische Erkrankung – sorgfältig gegen das Potenzial positiver Effekte abzuwiegen, insbesondere bei Patienten mit Myasthenia gravis. Bei einer ICI-Therapie bei Autoimmunerkrankungen empfiehlt sich zudem eine engmaschige Überwachung.

Quelle

Fletcher K, Machaalani M, El Hajj Chehade R, et al. Immune Checkpoint Inhibitors for Patients With Preexisting Autoimmune Neurologic Disorders. JAMA Netw Open. 2025;8(6):e2513727. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.13727 (Zugriff am 3. Juli 2025).

Bildquelle

annamaria – stock.adobe.com